Luisa corna in dubai: kriegsgefahr statt gala

Mitten zwischen Glasfassaden und künstlichen Palmen wird der italienische Gesang zur Nebensache. Luisa Corna, 59, sollte Samstagnacht nach Mailand zurückfliegen – stattdessen sitzt sie in einem Wohnzimmer irgendwo zwischen Burj Al Arab und dem Trümmerfeld, das ein abgeschossener Drohnenschwarm hinterließ. Die Reste brennen noch.

„Die Explosion war ein dumpfer Schlag, dann Stille, dann Sirenen“, sagt Corna am Telefon. Die Stimme klingt heiser, als hätte sie den Rauch noch in der Lunge. „Unsere Handys schrillen alle fünf Minuten: ‚Bleibt indoor. Fluchtweg: keine.‘“

Statt hotellobby: improvisiertes notquartier

Event-Organisatoren schaffen Künstler und Crews in Privatwohnungen. Keine Kapazitäten mehr. Keine Ersatzhotels. „Wir teilen uns ein Apartment mit fünf Tänzern, Wasser rationiert, WLAN weg“, berichtet Corna. „Gestern Nacht haben wir Raketenabwehr über uns gegrummelt gehört – wie ein Eishockeypuck, der in den Fangzaun knallt, nur hundertmal lauter.“

Der Rückflug war auf 28. Februar terminiert, die Tickets gelten nicht mehr. Emirates storniert Reihe um Reihe. Flughafen-Dashboard: 372 Flüge annulliert, 41.000 Passagiere gestrandet. „Wir stehen auf keiner Liste“, sagt Corna. „Die Hotline legt einfach auf.“

Kein ende der angräge in sicht

Kein ende der angräge in sicht

Die Golf-Luftwaffe meldet weitere Angriffe auf Öl-Tanker. Iranische Revolutionsgarden drohen mit Gegenmaßnahmen. In Dubai selbst herrscht Ausgangsperre für Touristen ab 22 Uhr. „Wir schauen aus dem Fenster: sonst leuchten die Wolkenkratzer wie Weihnachtsdekoration. Jetzt ist es dunkel, nur Polizeihubschrauber kreisen“, sagt Corna.

Italiens Auswärtiges Amt aktiviert Notfallnummern, aber keine Evakuierungsflüge. „Sie schicken ‚konsularische Empfehlungen‘ – das hilft uns genauso wenig wie ein Regenschirm im Sandsturm“, wettert Corna. Ihr Manager versucht, über Oman auszufliegen. „Nächste Chance: Dienstag, ein einzelner Sitzplatz, 1.800 Euro, kein Gepäck.“

Die Gala der italienischen Lieder, für die sie eingeflogen war, wurde abgesagt. Statt roter Premiere-Laufbahn jetzt staubige Straßensperren. „Ich habe mein Kleid im Hotel belassen“, sagt Corna. „Morgen kann es Feuer fangen, und niemand würde es merken.“

Die Sängerin lacht kurz – ein trockenes Husten. „Ich wollte nur drei Tage Sonne und ein bisschen Publikumsapplaus. Jetzt zähle ich Munition statt Musik-Takte.“ Sie legt auf. Draußen heult erneut die Sirene. Keine Melodie, nur Beton.