Italiens journalisten streiken: zehn jahre ohne vertrag, ein land ohne pressefreiheit

Mailand, 7.30 Uhr. Die Kioske bleiben kalt, die Redaktionen leer. Zum zweiten Mal in fünf Wochen legen Italiens Reporterinnen und Reporter die Arbeit nieder – wegen eines Vertrags, der seit 1. April 2016 schlicht nicht existiert. Keine andere Beschäftigtengruppe im Land wartet seit einem Jahrzehnt auf neue Löhne, Regeln, Perspektiven.

Ein streik gegen die geschichten, die niemand druckt

Die Zahlen sind ein Gespött: 162 Millionen Euro fließen 2024-26 als Druckkostenzuschuss an Verlage, 66 Millionen für Frühpensionierungen, 17,5 Millionen für „Innovation“. Parallel fehlt seit 2016 jede einzige Lohnerhöhung. Die Inflation nagt 35 Prozent vom Gehalt weg, Multimediapflicht wächst, Stellen schrumpfen. Resultat: Redaktionen, in denen freie Mitarbeiter um 2 Euro die Live-Blog-Nacht schieben, während die Chefs staatliche Subventionen kassieren.

Die Forderung ist simpel: „Unser Job hat einen Preis“, sagt Giuseppe Giulietti, Präsident der Journalisten-Gewerkschaft FNSI. Keine Privilegien, nur Löhne, die Miete und Essen decken. Stattdessen droht den Streikenden ein Arbeitsverweigerungsverfahren – ein Begriff, den man sonst nur bei Eisenbahnern kennt.

Warum der sport das erste opfer wird

Warum der sport das erste opfer wird

Für uns Sportverrückte ist der Streik mehr als eine Fußnote. Ohne Reporter kein Liveticker, keine Mixed-Zone-Zitate, keine Investigativstücke über Serie-A-Gehaltsmanipulation oder Rad-Netzwerke. Die Klubs feiern sich auf Instagram, während kritische Fragen verstummen. Ein Land, das sich sonst über Taktik aufregt, diskutiert jetzt, ob Information überhaupt ein Gemeingut ist.

Die nächste Streikrunde steht am 16. April an. Dann entscheidet sich, ob die Saison-Endspiele ohne Pressestimmen stattfinden – oder ob endlich jemand in Rom begreift, dass Demokratie ohne unabhängige Berichterstattung nur ein leeres Stadion ist.

Italiens Journalisten hungern nicht nach Ruhm, sondern nach Verhältnissen, in denen man nicht zwischen Story und Miete wählen muss. Wer das als Luxus brandmarkt, der verkauft die Freiheit des Landes für 30 Silberlinge pro Subvention.