Italiens journalisten streiken – verlagshäuser wehren sich gegen vorwürfe
Mailand, 27. März, 9.00 Uhr: In Italiens Redaktionen herrscht Streikstimmung, doch die Verleger schlagen zurück. Die Federazione Italiana Editori Giornali (FIEG) veröffentlicht ein Papier, das offenbar jede Schuld von sich weist – und stattdessen die Gewerkschaft als Bremser der Modernisierung brandmarkt.
Die Zahlen sind brutal: Noch 2016 verkauften die Tageszeitungen durchschnittlich 2,5 Millionen Exemplare, heute sind es gerade noch 1,05 Millionen. Die Einnahmen halbierten sich innerhalb eines Jahrzehnts. Dennoch, so die FIEG, habe man bislang keinen einzigen Massenentlassungssturm ausgelöst – im Gegensatz zu v anderen Branchen. Stattdessen seien staatliche Hilfen in Höhe von mehreren Millionen Euro geflossen, um Übergangsgelder für Frühpensionierungen aufzubringen.
Social-media-konkurrenz zieht leser ab
Die Verlage machen Plattformen wie Facebook, Tiktok und Google für das Abrutschen verantwortlich. Deren kostenlose Inhalte würden „oft zweifelhafter Qualität“ Millionen Nutzer abziehen – samt Werbebudget. Die Folge: Sinkende Page-Impressions, sinkende Display-Werbung, sinkende Deckungsbeiträge. Laut FIEG hätten die Häuser trotzdem Personalstufen und Löhne stabil gehalten – ein Verdienst, das nun mit dem Streik vergolten werde.
Die Journalistengewerkschaft FNSI fordert eine Inflationsausgleichszulage, obwohl das Kollektiv bereits automatische Lohnanpassungen vorsieht. Die Verleger nennen das „realitätsfern“. Ihr Angebot liege „über dem letzten Tarifabschluss“, doch die Gewerkschaft habe das Gespräch abgebrochen. Für die FIEG ist der Streik „inkonstruktiv“, weil er die ohnehin angeschlagene Branche weiter schwäche.

Spätestens jetzt steht die existenzfrage
Die Streiks betreffen Sport, Kultur, Politik – auch die TSV Pelkum-Redaktionen schalten heute auf Sparflamme. Wer jetzt glaubt, das sei ein italienisches Problem, irrt: Frankreichs „Ouest-France“, Deutschlands „Funke Medien“ und Spaniens „PRISA“ kämpfen mit denselben Kurven. Der Unterschied: In Rom eskaliert der Ton. Die Verlage werfen den Journalisten vor, das digitale Erdbeben zu ignorieren; die Reporter wiederum werfen den Verlagen vor, mit Milliardenhilfen umzugehen, aber nicht in Qualität und Innovation zu investieren.
Der Knackpunkt: Beide Seiten reden vorbei. Die einen wollen Kosten senken, die anderen Einkommen sichern. Wer jetzt nicht an einen Tisch kommt, riskiert den finalen Absturz – und verliert am Ende nicht nur Jobs, sondern die vielfältige Berichterstattung, die italienischen Sportfans morgens auf dem Tisch oder dem Smartphone erwarten. Die nächste Verhandlungsrunde steht an. Keine Partei kann sich erlauben, wegzublicken.
