Hertha bsc: ehemaliger präsidentschaftskandidat fordert umbruch im aufsichtsrat
Berlin brodelt. Tim Kauermann, einst im Präsidium von Hertha BSC und kurzzeitig als Sanierer im Einsatz, stellt sich am Sonntag zur Wahl – diesmal um den Vorsitz des Aufsichtsrates. Sein Ziel: Mehr Kontrolle und eine klare sportliche Linie für den gebeutelten Hauptstadtklub.
Ein neustart für die kontrollinstanz?
Die Entscheidung ist gefallen: Hertha BSC wählt am Sonntag einen neuen Aufsichtsrat. Und mit ihm möglicherweise einen neuen Kurs. Tim Kauermann, der im Juni 2022 noch im ersten Wahlgang genügend Stimmen für das Präsidium erhielt, kandidiert nun für die Leitung des Kontrollgremiums. Seine Motivation? Eine unzureichende Kontrollfunktion in der Vergangenheit, wie er im kicker-Interview deutlich macht. Nach einer Satzungsänderung werden die Mitglieder nun erstmals direkt über den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter abstimmen – ein Zeichen des Wandels, das Kauermann nutzen will.
„Natürlich lässt einen dieser Klub nicht einfach los“, erklärt Kauermann. „Es geht mir aber nicht um ein Gefühl, sondern um Verantwortung.“ Er verweist auf seine Einblicke aus der Zeit im Präsidium und in der Geschäftsstelle, die ihm ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen des Vereins vermittelt haben. Er sieht sich als jemanden, der helfen kann, Hertha BSC wieder in die richtige Richtung zu lenken.

Kritik an der sanierung und der ausrichtung
Kauermanns Engagement endet jedoch nicht mit dem Wunsch nach Veränderung. Er übt auch Kritik an der bisherigen Sanierung und der strategischen Ausrichtung des Vereins. Sein vorzeitiger Abschied als Leiter der Sanierung im Dezember 2023 sei notwendig gewesen, um die Insolvenz abzuwenden. Doch die nachfolgenden Vorstellungen zur Ausgestaltung des sogenannten „Berliner Weges“ hätten seine Erwartungen übertroffen. Insbesondere die Rückschritte in der Nachwuchsakademie hätten ihn schockiert.
Die Ankündigung von Geschäftsführer Peter Görlich, eine „größte Transformation im Fußball“ anzustoßen, während Trainer Stefan Leitl und Sportdirektor Benjamin Weber eine Job-Garantie erhalten, erscheint Kauermann „selbsterklärend nicht“. Er äußert die Hoffnung, dass diese Entscheidung von Mut und einem klaren Fahrplan zeuge, anstatt von fehlenden Alternativen. „Ich freue mich, im Fall der Wahl die Abwägung hierzu in Gänze zu erfahren“, so Kauermann.

Ein verein in der krise – braucht hertha einen neuen kurs?
Hertha BSC befindet sich im vierten Jahr der Zweitliga-Zugehörigkeit und kämpft weiterhin mit der Konsolidierung. Die Frage, ob das Kader-Budget im Verhältnis zu den Leistungen steht, ist mehr als berechtigt. Kauermann betont, dass es nun wichtig sei, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und sicherzustellen, dass Fehler nicht wiederholt werden. Er fordert mehr Verantwortungsbewusstsein und funktionierende Korrektive, die sicherstellen, dass Entscheidungen im Sinne des Vereins getroffen werden.
„Wir sind von der Intensivstation runter“, sagt Kauermann, „aber es braucht zeitnah noch weitere Operationen und den Willen, mit entsprechender Reha wieder in die 1. Liga zu kommen.“ Die kommenden Monate werden zeigen, ob Hertha BSC diesen Herausforderungen gewachsen ist und ob Tim Kauermann mit seiner Forderung nach einem Umbruch den richtigen Nerv getroffen hat. Die Mitglieder stimmen am Sonntag – und entscheiden darüber, ob Berlin weiterhin in sportlicher Ungewissheit verharren muss.
