Fichtners patzer katapultiert dsv-team auf rang 16 – voigt schickt kämpfansage
Die Tränen kamen noch im Zielraum, aber der Schock saß tiefer: Marlene Fichtners vermeintlich harmloser Fehler beim Nachladen – einen Schuss zu wenig abgegeben – kostete das deutsche Biathlon-Team zwei Strafrunden und warf die Staffel auf den historischen 16. Platz. Die 22-Jährige aus Ruhpolding wurde zur tragischen Heldin eines Wettkampfs, der dem Deutschen Skiverband (DSV) die eigene Verletzlichkeit vor Augen führte.
Voigt springt in die bresche
Schlussläuferin Vanessa Voigt hatte keine Zeit für Selbstmitleid. Sie umarmte Fichtner, zog Janina Hettich-Walz dazu, postete Minuten später ein Foto der vereinten Tränen. „Ein Team gewinnt und verliert zusammen“, sagte Voigt im ZDF. Die 28-Jährige sprach offen über eigene Blackouts in früheren Staffeln: „Wenn schon Kacke, dann mit Schwung.“ Die Message war klar: Die Saison ist nicht gelaufen, der Kader nicht gespalten.
Auf Instagram folgte ein Manöberkritik-Satz, der sich wie ein Kampfansage las: „Wir stehen zusammen, lernen daraum und kommen zurück.“ Die Wortwahl ist kein Zufall – innerhalb der Mannschaft kursiert das Credo „Never skip the comeback“. Voigt liefert die emotional treibende Kraft, während Hettich-Walz als erfahrene Stütze fungiert. Beide wissen: Ohne Zusammenhalt verflüchtigt sich die Olympia-Chance in zwei Jahren.

Déjà-vu für fichtner
Der Rückschlag ist für Fichtner bereits der zweite Staffel-Crash innerhalb von sechs Wochen. In Nove Mesto hatte ein Regelverstoß beim Schultern ihres Gewehrs die nachträgliche Disqualifikation nach einem Sieg beschert. Die Parallele ist brutal: Je größer der Erfolg, desto härter der Sturz. Dennoch gilt sie gemeinsam mit Selina Grotian und Julia Tannheimer als neue Hoffnungstrilogie des DSV. Sportdirektor Mark Kirchner stellte am Sonntag klar: „Wir bauen weiter auf Marlene. Es gibt keinen Saft, der aus der Karriere gedrückt wird.“
Die Zahlen sprechen für sich: Fichtners Formkurve zeigt nach dem fünften Platz im Einzel und dem vierten Rang im Massenstart eine steile Tendenz nach oben. Dennoch nagt das mentale Puzzle. Fehler in zwei entscheidenden Staffelrennen hinterlassen Spuren. Psychologe Dr. Thomas Käsbauer begleitet die Junioren-Elite bereits seit der vergangenen Saison; intern heißt es, man werde „die Schockstarre frühzeitig lösen“.

Dsv steht vor umbruch
Mit dem Abschied von Denise Herrmann-Wick und dem Rückzug von Franz Preuß verliert der Verband zwei Fixpunkte. Die jungen Läuferinnen sollen das Fundament erneuern, doch der Druck wächst exponentiell. Sponsoren wie Viessmann und BMW verlangen Resultate, die nicht erst 2027 kommen dürfen. Die 16. Platzierung war die schlechteste Staffel-Bilanz seit der Weltmeisterschaft 1993 in Borovets – ein Datensatz, der intern sofort in die Präsentationsfolien der Vorstandsetage wanderte.
Die Reaktion der Fans spaltet sich: Auf Twitter brandmarken manche Fichtner als „unverantwortlich“, andere loben den offenen Umgang mit dem Fehler. Die DSV-Community-Abteilung aktivierte innerhalb von 30 Minuten nach dem Rennen eine Kampagne mit dem Hashtag #zusammenDSV. Erste Zahlen: 12.000 Posts, 85 % positiver Sentiment. Die Botschaft lautet: Niederlagen gehören zur DNA des Sports – nur wer sie einsteckt, kann sie wegräumen.
Die Saison geht weiter, die Weltcups in Oslo und Östersund rücken näher. Fichtner wird wieder starten, Voigt wird wieder anfeuern. Und irgendwo zwischen diesen Polen formiert sich das neue Gesicht des deutschen Biathlons: jung, verdammt schnell – und endlich bereit, auch die Schatten zu umarmen.
