Dfb ermittelt nach strom-ausfall: preußen-fans sabotieren var
Strom weg, VAR weg, Strafstoß trotzdem. Die Aktion eines einzelnen Münsteraner Anhängers hat den Deutschen Fußball-Bund auf den Plan gerufen und den zweitältesten deutschen Profiklub in eine Schusslinie, die jenseits des grünen Rasens liegt.
Stromsabotage in der 45. minute
Kurz vor dem Halbzeitpfiff des 1:2 gegen Hertha BSC fiel in der Preußen-Stadion-Kurve nicht nur das Licht aus, sondern die komplette Stromversorgung eines Tribünensektors – samt VAR-Bildschirm an der Seitenlinie. Schiedsrichter Felix Bickel stand vor schwarzer Mattscheibe, während hinter ihm ein Spruchband aufploppte: „Dem VAR den Stecker ziehen“. Die Pointe: Die Entscheidung fiel dennoch. Katrin Rafalski, Video-Schiedsrichterin im Kölner Keller, kommunizierte per Knopf im Ohr, dass Niko Koulis Cuisance am Schienbein trifft. Bickel pfefferte den Strafstoß raus, Fabian Reese verwandelte. Münster ging mit 0:1 in die Kabine, der Verein aber direkt ins Fadenkreuz des DFB-Kontrollausschusses.

Dfb-verfahren und fragwürdige sicherheitslücken
Der DFB bestätigte am Montag ein formelles Ermittlungsverfahren wegen „Störung der Spielabwicklung“. Die DFL verwies lapidar auf die Haftung der Heimvereine für den Innenraum – und schweigt zu möglichen Folgekonsequenzen für alle Stadien. Tatsache: Die Sicherheitsarchitektur der Liga hat eine Lücke, groß wie ein Torraum. Wer einen Sicherungskasten findet, kann binnen Sekunden Bildschirme, Kameras und Funkstrecken lahmlegen. Die Kosten trägt am Ende der Klub, nicht der Verband.
Preußen Münster reagiert mit Standardfloskeln: „Wir bedauern den Vorfall“, so die Pressemitteilung, und kündigt an, die Täterin oder die Täter zu suchen. Die Suche dürfte kurz werden – Kameras im Innenraum gibt es kaum, Zeigen finger ist untauglich. Bleibt die Frage: Wie viele Stromkreise muss ein Stadion haben, bevor der VAR sicher ist? Antwort: mindestens einen mehr als Saboteure.
Für den Lizenzspielerbetrieb droht nun ein Punktabzug oder Geldstrafe. Die Fans feiernden Aktionisten als Helden, der Verein zahlt die Zeche. Am Ende gewinnt nicht nur Hertha, sondern auch die Gewalt gegen die Technik – und die Diskussion darüber, ob der Mensch hinter dem Monitor stärker ist als der vor dem Sicherungskasten. Die Liga hat bis zur nächsten Störung Zeit, das Regelwerk anzupassen. Danach wird der Stecker wieder gezogen – nur nächstes Mal vielleicht im Finale um Aufstieg oder Abstieg.
