Elversberg raubt magdeburg spät den lohn – sander sieht trotz abstiegsplatz licht

85 Minuten lang arbeitete der 1. FC Magdeburg in der Fremde wie ein Berserker, dann zerplatzte der Traum vom Befreiungsschlag mit einem Schlag. Lukasz Poreba zirkelte die Kugel aus 22 Metern in den Winkel, der Ball rutschte durchs Beinwirrwarr, Keeper Kevin Müller sah ihn zu spät – 0:1, die vierte Niederlage nacheinander, der Klassenerhalt rückt in weite Ferne.

Sander: „wir liegen unten, da wird dir selbst ein punkt verweigert“

Petrik Sander schüttelte nach Abpfiff den Kopf, stützte sich auf die Bande und atmete tief durch. „Solche Spiele gewinnst du oben, weil du Glück hast. Unten kriegst du nicht mal den Punkt, den du dir auf dem Platz erarbeitest“, sagte der 65-Jährige mit heiserer Stimme. Sein Team hatte Elversberg, den Aufstiegsaspiranten, ersatzweise in die Zweikämpfe geschickt, Zweikampfquote 56 %, Laufleistung bei 114 Kilometern nach 80 Minuten. Doch Zahlen nützen nichts, wenn das Tableau rot ist.

Die Statistik nagt an Magdeburg: erst 23 Treffer in 27 Partien, 15 Punkte aus den letzten 21 Spielen, nur drei Siege seit Oktober. Die Abstiegszone ist kein Gastspiel mehr, sondern Wohnadresse. „Wir können uns nichts kaufen mit gutem Auftreten“, sagte Sander und schlug mit der flachen Hand gegen die Kabinentür. „Irgendwann muss die Punkte liefern, sonst wird es eng.“

Zukowski trifft, aber der kasten bleibt zu

Zukowski trifft, aber der kasten bleibt zu

Mateusz Zukowski, polnischer Flügelflitzer und mit elf Toren bester FCM-Schütze, hatte zwei Male den Auswärtssieg auf dem Fuß. Nach 22 und 37 Minuten scheiterte er aus spitzem Winkel, einmal parierte Robin Hensel-Ulrich reflexartig, einmal zog der 23-Jährige knapp vorbei. Dariusz Stalmach setzte den Nachschuss an die Latte. „Die Ruhe vor dem Abschluss fehlt uns“, monierte Sander. „Wir kommen in die Zonen, aber dann wird es hektisch.“

Die alte Fußball-Weisheit bestätigt sich: Chancen ungenutzt, bestraft mit 180 Sekunden vor dem Ende. Poreba traf erstmals in dieser Saison, Magdeburg kassiert das 17. Gegentor nach der 80. Minute – mehr als jeder andere Zweitligist.

Schork stellt klar: sander bleibt – auch wenn der trend nicht bricht

Schork stellt klar: sander bleibt – auch wenn der trend nicht bricht

Sportchef Otmar Schork ließ keine Debatte aufkommen. „Mit Sicherheit. Das ist ein klares Bekenntnis“, sagte er auf Nachfrage von Sky, ob der Coach auch nach einem möglichen fünften Pleitepack gegen Darmstadt weitermacht. Die Rückendeckung ist da, der Spielplan gnädig ist sie nicht: Freitag kommt mit dem SV Darmstadt 98 der nächste Aufstiegskandidat ins MDCC-Arena, danach folgt Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten Hamburger SV.

Sander wirbelt nicht herum. Er zeigt seinen Spielern am Sonntag im Video-Check, wie viele Lücken sie aus der Deckung rissen, wie wenig sie Elversberg eigentlich zusteuerten. „Kleinigkeiten“, sagt er, „aber unten kosten Kleinigkeiten Punkte.“

Die Fans sangen auch nach der Niederlage zehn Minuten lang „Wir bleiben unten drin, ihr bleibt im Herzen“, eine Melodie voller Treue und Rauch. Die Mannschaft bedankte sich, Sander klatschte in die Hände. „Wir haben noch sieben Finals. Wenn wir so auftreten, holen wir den Kopf aus der Schlinge. Aber irgendwann muss der Ball über die Linie rollen – spätestens Freitag.“