Pogacar zementiert seine schotterdynastie mit solosieg nummer vier
80 km allein gegen Wind, Staub und die Uhr. Tadej Pogacar marschierte in Strade Bianche erneut in die Geschichte – und ließ selbst das 19-jährige französische Supertalent Paul Seixas alt aussehen.
Die Sonne über den Hügeln der Toskana war noch nicht einmal Mittagshoch, da hatte der Weltmeister schon alle zerschlagen. Auf dem Monte Sante Marie, jener staubigen Rampe, die Rennen seit 2007 in Triumphe oder Tränen enden lässt, zog Pogacar den Hebel um. Kein Angriff, sondern eine Entscheidung. Seixas sackte zurück, die Gruppe der Hoffnungsvollen zerfiel wie ein Kartenhaus im Sturm. Was folgte, war keine Jagd mehr, sondern eine Generalprobe für Mailand-Sanremo.
Die zahlen hinter der vorstellung
203 km, 64 km Schotter, eine Minute Vorsprung – das klingt knapp. Doch wer die Bilder sah, weiß: Es war eine Demonstration der absoluten Kontrolle. Seit 2022 greift Pogacar stets an derselben Stelle an, und seit 2022 funktioniert das Rennen danach nach Plan. Die vier Siege bedeuten Rekord, Rekord, Rekord. Kein anderer Fahrer hat die „Weißen Straßen“ so oft für sich entschieden, nicht einmal Fabian Cancellara, der die Strecke einst zu seiner persönlichen Zeitfahlgalerie machte.
Sein UAE-Team spielte dabei die Rolle des Regisseurs. Keine Spitzengruppe durfte sich mehr als drei Minuten wegstehlen, kein Fahrer wurde sich selbst überlassen. Als Pogacar dann die Bühne betrat, war der Vorhang schon gefallen. Der Sturz von 2025? Vergessen. Die 147 Tage Wettkampfpause? Gezählt. Die Frage nach dem Formstand? Beantwortet.

Seixas liefert den beweis: die next gen kommt, aber später
Paul Seixas fuhr mit 19 Jahren auf Rang zwei – sensationell, aber ohne Chance. Der Franzose schob sich auf die letzten 500 Meter noch vor Isaac del Toro, doch die Minute Rückstand blieb. Es ist das alte Dilemma des modernen Radsports: Die Jungen werden schneller, doch Pogacar wird schneller, bevor sie erwachsen werden.
Die Blicke wandern nach vorn. In zwei Wochen steht Mailand-Sanremo auf dem Programm, das erste Monument der Saison. Dort wartet Mathieu van der Poel, der letzte Jahr die „Primavera“ gewann. Es wird das erste offene Duell seit langem – und vielleicht die erste echte Prüfung für Pogacars Frühform. Doch bis dahin bleibt eine Wahrheit bestehen: Wer auf Schotter herrscht, herrscht über das Peloton. Und niemand herrscht über Schotter wie Tadej Pogacar.
