Pogacar kracht trotz sturz zum sieg nach sanremo – drama und doppelsprint in der via roma
Er rutschte auf dem Asphalt, sah schon den Traum zerplatzen – und fuhr dennoch als Erster unter die rote Girlande. Tadej Pogacar gewinnt die 117. Mailand–Sanremo, obwohl er sich vor dem Poggio selbst auf den Boden schmiss. Die Uhr blieb bei Sekunde 6:05:56 stehen, seine Vorgabe feierte Sekunden später den zweiten Platz: Tom Pidcock, jener Brite, vor dem Pogacar im Sprint zitterte.
Der sturz, der keinen unterschied machte
„Ich dachte nur: Jetzt ist alles vorbei“, sagte der Slowene, noch mit blutigem Knie im Mixed Zone. Doch seine Teamkollegen Florian Vermeersch und Felix Großschartner schalteten sofort in Zeitfahr-Modus, schraubten das Tempo auf über 60 km/h und schaufelten ihren Captain innerhalb von zwei Kilometern wieder an die Spitze des Favoriten-Feldes. Die Szenerie erinnerte an 2023, als Mathieu van der Poel nach einem Defekt zurückgeholt wurde – nur dass Pogacar diesmal selbst der Profiteur war.
Wind schräg aus Südwest, 12 km/h, das reichte, um die Manöver auf dem Poggio zu verändern. Vorjahreswinner Jasper Stuyven spürte es sofort: „Bei Gegenwind kannst du nicht warten, sonst saugt dich das Feld wieder rein.“ Also attackierte Pogacar 700 Meter vor dem Gipfel, Pidcock folgte wie ein Schatten. Dahinter: Chaos. Filippo Ganna verlor 30 Meter, Wout van Aert schaltete einen Gang zu spät. Die Lücke: zwei Sekunden. In Sanremo ein Ewigkeitswert.

Sprint à deux – ohne erfahrung, mit nerven aus carbon
„Ich habe nie ein Mano-a-Mano auf der Via Roma trainiert“, gab Pogacar zu. Sein letztes Straßensprinter-Workout datiert aus dem November auf dem Track in Monaco. Trotzdem wählte er den frühen Sprint, 220 Meter nach der letzten Rechtskurve, Schädel erst auf Zielhöhe. Pidcock kam links, sah die Linie, verfehlte sie aber um eine halbe Radlänge. 4:1 Zentimeter – gemessen von der Fotozelle, bestätigt durch die Jury. Zahlen, die in die Geschichte eingehen.
Die Siegprämie: 30 000 Euro. Die Punkte für die WorldTour: 500. Die Botschaft: grenzenlos. Zum vierten Mal in Folge entscheidet Sanremo nicht die Pure-Sprinter, sondern die Allround-Asse. Vom Poggio bis zur Promenade wird aus Power-Tempo wieder Taktik. Und Pogacar? Der sammelt Monumente wie andere Postzahlen. Liège, Tour of Flanders, jetzt Sanremo – nur Paris–Roubaix fehlt noch auf seinem Mantel.
Die Reaktion der Konkurrenz fiel knapp aus. „Wenn der schon fällt und trotzdem gewinnt, weißt du, an wen du dich zu messen hast“, sagte Van Aert trocken. Pidcock schüttelte nur den Kopf: „Ich dachte, ich hab’s. Dann kommt er wie ein MotoGP-Bike aus der Kurve.“
Bis zur nächsten Herausforderung bleiben 37 Tage – dann startet der Giro di Lombardia. Pogacar wird dabei sein. Und wer ihm dann auf den letzten Metern Gesellschaft leisten will, sollte besser nicht stürzen. Denn aufstehen und gewinnen – das beherrscht derzeit nur einer perfekt.
