Pleiß' knie kaputt – rasta vechta droht der absturz
Die Luft ist raus. Tibor Pleiß zieht sich im wichtigsten Saisonviertel einen Innenbandriss im rechten Knie zu, fällt sechs Wochen aus – und mit ihm die letzte Zuversicht der Niedersachsen.
Der zeitpunkt ist brutaler als die verletzung selbst
Noch am Samstagabend jubelte Rasta nach dem 80:78 gegen Chemnitz, doch die Nachricht vom MRT knackt wie ein Rohrbruch in der Kalten Jahreszeit. Ein Sieg, der vor der Pleiß-Meldung wie Rettung wirkte, entpuppt sich nun als Pyrrhussieg. Die 22:28-Punkte-Bilanz lässt Vechta auf Platz zwölf hocken – zwei Zähler hinter den Play-offs, aber nur einen vor dem Abstiegsstrudel.
Die Szene? Sekunde 18 im vierten Viertel gegen Ludwigsburg. Pleiß blockt, landet ungünstig, bleibt liegen. „Ich hatte noch daran gedacht, in der Szene wegzubleiben“, sagt er mit der Stimme eines Mannes, der genau weiß, dass genau diese Einstellung ihn jetzt auf die Bank verbannt. 15 Spiele, 11,3 Punkte, 5,0 Rebounds – keine All-Star-Werte, aber die einzige verlässliche Größe im engen Kader.

Wer jetzt den korben trägt, ist offen
Coach Patric Morrison muss ohne seinen einzigen echten Fünfer auskommen. Die Backup-Lösung: ein 2,03-Meter-Flügelspieler als Notcenter, dazu mehr Minuten für den 19-jährigen Nachwuchsmann Justus Hollatz, der eigentlich ein Aufbauspieler ist. Die Rechnung geht nur auf, wenn Justin Robinson und Johannes Thiemann ihre Dreier treffen und gleichzeitig die Rebounds klauen – ein Zirkustrick, nicht mehr.
Der Spielplan lacht nicht mit Vechta: Auswärts bei Würzburg, daheim gegen Bayern, dann Bonn und Ulm. Vier Partien, in denen jeder Pleiß-Punkt fehlt. Die Quote, mit dieser Personaldecke drei Siege zu holen, liegt laut Datenanbieter Statista bei 17 %. Das ist kein Keller, das ist ein Abgrund.

Die liga verliert eine ikone – und vechta vielleicht die klasse
Pleiß ist nicht irgendein Profi. 109 Länderspiele, zwei EuroLeague-Titel, eine Karriere, die ihn nach Spanien, die Türkei und die NBA führte. In Vechta war er nicht nur Scoring, sondern Mentor für einen Kader, der ohne ihn plötzlich aussieht wie ein Oberliga-Team. Die Fans sangen sein Namenslied in Minute 24 gegen Chemnitz – keine Ahnung, dass es die letzte Ehre für lange Zeit war.
Die Front office reagiert mit dem Blick nach Osteuropa: Ein Stürmer aus der litauischen Liga soll kommen, Visum läuft, aber erst in zehn Tagen. Bis dahin muss Morrison mit sieben Profis und zwei Junioren überleben. Die Message an die Kabine: „Alle müssen zwei Klassen besser werden“, sagt Manager Simon Caki – und meint: oder wir spielen nächste Saison ProA.
Am Samstag steht das Topspiel gegen Bamberg an. Die Arena ist ausverkauft, doch die Stimmung wird gedämpft sein. Kein Pleiß, kein Pulsschlag. Die Saison ist nicht vorbei, aber das Happy-End ist jetzt ein Drehbuch, das nur noch die anderen schreiben können.
