Österreich zittert 30:30 gegen nordmazedonien – damböck rettet punkt in letzter sekunde
30 Sekunden vor Schluss lag Österreich 30:29 voran, die Arena in Bregenz atmete auf. Dann Pfiff, Rote Karte, Siebenmeter. Sekunden später flog der Ball zum 30:30 ins Netz – und mit ihm jene Siegesplanung, die Iker Romero stundenlang durchgekaut hatte.
Eric Damböck war der Mann des Abends, neun Treffer aus neun Versuchen, ein Quotensturm, der die mazedonische Deckung zerlegte. Doch selbst seine Treffsicherheit reichte nicht, um die tiefe Phase Mitte der zweiten Hälfte zu kaschieren, als Österreich vier Tore kassierte wie aus dem Nichts und plötzlich 20:25 hinten lag.
Die sekunde, die alles zunichtemacht
Die Statistik verrät: In den letzten zehn Sekunden kassierte Österreich schon zum zweiten Mal in einem Pflichtspiel den Ausgleich. Bei der WM 2023 in Kroatien war es das 29:29, diesmal das 30:30. Beide Male war Nordmazedonien der Gegner, beide Male traf der Gegner mit der Sirene. „Ein Déjà-vu, das uns in den Play-offs kein zweites Mal passieren darf“, sagte Kapitän Lukas Herburger, dessen Blick schon Mitte Mai auf Polen fällt.
Denn dort wartet das große Ziel: zwei Spiele um das Ticket zur WM 2027 in Deutschland. Die Polen gewannen ihr Play-off-Hinspiel in Lettland 33:24, Österreich erinnert sich an die 19:31-Testpleite vor einem Jahr. „Wir wissen, dass wir sie schlagen können“, sagt Mykola Bilyk, der mit sechs Treffern gegen Nordmazedonien auftrumpfte, aber auch die Ballverluste in der 45. Minute zu verantworten hatte.

Romero sieht system, nicht sieg
Trainer Iker Romero nahm die Niederlage mit analytischem Blick zur Kenntnis: „Die Deckung war flexibel, die Räume kleiner geschnitten, genau das wollten wir sehen.“ Doch er kritisierte die Phase, in der seine Mannschaft „den Kopf verlor“. Zwischen der 40. und 45. Minute drehte Nordmazedonien auf, spielte 120 Sekunden Ballbesitz am Stück, erzwang zwei Zeitstrafen und traf dreimal in Folge. Österreich antwortete mit Hektik, zwei technische Fehler, ein verschossener Tempogegenstoß – der Vorsprung war weg.
Die Aufholjagd begann mit einer personellen Umstellung: Jakob Nigg rückte ins Zentrum, Leon Bergmann übernahm die rechte Außenbahn. Die Folge: ein 6:2-Lauf, verwandelt durch Tempo, Wendungen und die unvermeidliche Damböck-Granate zum 29:28. Die Arena tobte, doch die letzten zwei Sekunden raubten den Jubel.

Die zahlen, die zählen
Österreich warf 54 Prozent aus dem Feld, kassierte nur zwei Zeitstrafen, gewann 58 Prozent der Zweikämpfe – und dennoch reichte es nur zum Remis. Die Bilanz: neun Tore Damböck, sechs Bilyk, fünf Nigg. Die mazedonische Deckung stand 42 Minuten in einer 5-1-Variante, wechselte erst in der Schlussphase auf eine offene Manndeckung. Genau diese Flexibilität wird Polen im Mai kopieren, warnt Romero: „Wir müssen die letzten Pässe schneller klären, sonst erleben wir dieselbe Szene noch einmal.“
Die nächste Länderspielpause beginnt am 8. Mai mit dem Lehrgang in Graz, dann geht’s nach Krakau. Die Qualifikation ist kein Sprint, sondern ein Schlagabtausch über 120 Minuten. „Wir haben 120 Prozent in jede Trainingseinheit gelegt“, sagt Herburger. Die Moral stimmt, die Statistik auch – nur die letzte Sekunde will noch nicht mitspielen.
Die Play-offs rücken näher, die Uhr tickt. Wer in der 60. Minute noch den Kopf verliert, verliert auch das Ticket. Österreich hat die Lehre gezogen – und genau 31 Tage Zeit, sie umzusetzen.
