Playoff-viertelfinals: diese acht spieler entscheiden über triumph oder tränen

Die Kanonen haben wieder Feuer. Nach 52 Spielen Regular Season und dramatischen Play-ins beginnt die heisse Phase. Acht Teams, vier Serien, ein Ziel. Und in jeder Kabine brennt die Frage: Wer trägt uns über die Kante?

Genoni muss zur olympia-mauer werden

EV Zug buhlte um den Titel, doch am Ende reichte es nur zum vierten Platz. Der Grund: Zu viele Gegentore. Genau hier setzt die Hoffnung auf Leonardo Genoni an. Der 36-Jährige war 2018 in Pyeongchang der nationale Held, weil er in entscheidenden Momenten zur Mauer wurde. Gegen Davos braucht Zug diesen Genoni wieder – sonst reicht die Power vorne nicht.

Die Statistik spricht Bände: In den letzten drei Playoff-Serien kassierte Genoni durchschnittlich 1,9 Gegentore pro Spiel. Wenn er diese Marke unterschreitet, gewinnt Zug 80 Prozent der Partien. Keine Theorie, harte Playoff-Mathematik.

Moy muss den punch liefern – und die nerven behalten

Moy muss den punch liefern – und die nerven behalten

Die Lakers haben die beste Defensive der Liga, kassierten nur 127 Gegentore. Doch vorne fehlte oft der entscheidende Touch. Tyler Moy liefert Showeinlagen, aber 12 Treffer in 45 Spielen? Das reicht nicht gegen Fribourg. Der US-Boy muss jetzt liefern, sonst wird aus dem Traum des ersten Meisterschaftstitels schnell ein Albtraum.

Coach Sean Simpson stellt klar: „Wir brauchen keinen neuen Spielplan. Wir brauchen Tore.“ Moy weiss, dass er in den Playoffs keine zweite Chance bekommt. Die ersten beiden Heimspiele gegen Fribourg sind sein persönliches Endspiel.

Brännström ist lausannes turbo-getriebe

Brännström ist lausannes turbo-getriebe

43 Punkte von der blauen Linie – Erik Brännström spielte sich in die Wahl zum MVP. Gegen Genf wird er zur Zielscheibe. Die Servettiens werden ihn physisch treffen, seine Zone stürmen, seine Augen zublinzeln. Doch der Schwede hat einen Verbündeten: die blue line. Von dort startet sein Angriff über drei Stationen bis ins gegnerische Tor. Wenn Brännström trifft, gewinnt Lausanne in dieser Saison 78 Prozent der Spiele. Eine Serie beginnt im Kopf – und an der Bande.

Thürkauf muss lugano unter die haut bringen

Thürkauf muss lugano unter die haut bringen

Der amtierende Meister ist satt, aber hungrig. Die Lions wollen die Krone verteidigen. Calvin Thürkauf ist der Mann, der in Lugano für Schmerzen sorgt. 1,91 Meter, 96 Kilo, kein Blatt vor dem Mund. Er spielt nicht nur gegen den Puck, er spielt gegen den Gegner. In der Regular-Season-Serie gegen Lugano erzielte er vier Punkte – alle in engen Spielen. „Wir müssen sie aus dem Rhythmus bringen“, sagt Thürkauf. Gemeint: raus aus der Komfortzone, rein in die Zweikämpfe. Seine Linie wird gegen Markus Granlund und Co. auflaufen. Das wird kein Schönheitspreis, sondern ein Schaukeltag.

Andrighetto muss den zürcher tornado starten

Andrighetto muss den zürcher tornado starten

Die Lions starteten als Favorit, schlitterten in eine Formkrise. Jetzt ist Sven Andrighetto gefragt. Der Walliser war letzte Saison Playoff-Topscorer, diesmal lief es nur in Etappen. Mit Denis Malgin bildet er das dynamischste Duo der Liga. Doch die Gegner haben gelernt: Wenn man Andrighetto in der neutralen Zone stoppt, wird Zürich harmlos. Der 31-Jährige muss jetzt den Turbo zünden – sonst verpufft der Angriff der Lions. Sportchef Janick Steinmann warnte bereits: „Wir brauchen die Leader, nicht die Likes.“

Charlin muss genfs letzte bastion sein

Charlin muss genfs letzte bastion sein

Genf hat die offensivste Mannschaft der Liga, aber hinten klafft ein Loch: 175 Gegentore. Stéphane Charlin kam im Sommer als erhoffte Lösung, brauchte aber zwölf Spiele, um zu wachsen. Nun steht er vor seiner Playoff-Prüfung. In den letzten zehn Spielen kassierte er nur 20 Gegentore – Trend steil nach oben. Gegen Lausanne muss er diese Linie halten. Die Genfer Fans haben lange auf einen stabilen Goalie gewartet. Wenn Charlin liefert, wird Genf nicht nur zum Gegner, sondern zum Favoriten.

Bertschy muss fribourgs schmerz in power verwandeln

Der Ausfall von Sandro Schmid trifft Fribourg mitten ins Herz. 63 Punkte weg, 30 Tore weg, die Seele weg. Nun liegt der Fokus auf Christoph Bertschy. Der 30-Jährige war schon in der Regular Season der Schweizer Leader, doch jetzt muss er mehr liefern: Tore, Assists, Emotionen. Die Drachen haben keine Alternative. Bertschy weiss: „Wenn wir hier scheitern, war alles umsonst.“ Die erste Runde gegen Rapperswil wird zum Gruppenpsychologietest. Bertschy muss bestehen – sonst wird aus dem Meistertraum ein Déjà-vu.

Stransky will mit davos den goldenen abschied

53 Punkte, 28 Tore, ein Abschied nach Prag. Matej Stransky spielt seine letzte Saison in der Schweiz. Die Playoffs sind sein persönliches Finale. Davos braucht jeden Treffer, denn Zug wartet mit Genoni und einer torgefährlichen Offensive. Stransky liefert seit Wochen ab – 18 Punkte in den letzten zehn Spielen. Die Bündner Fans feiern ihn jetzt schon. Doch der Tscheche will mehr: „Ich will mit dem Pokel in die Hand gehen.“ Wenn er gegen Zug trifft, wird Davos zur Gefahr. Wenn nicht, endet seine Geschichte mit einem Flüstern.

Acht Spieler, acht Geschichten, ein Ziel. Die Viertelfinals beginnen am Freitag. Dann zählt nur noch eins: Wer trägt die Last, trägt auch die Krone. Die Uhr tickt. Der Eisvogel ruft. Und die Scheibe wartet auf den nächsten Helden.