Pjanic warnt italien: in zenica brennt die hölle – und spanien holt den wm-titel
Miralem Pjanic lacht nicht, als er von Zenica spricht. Er spricht von Feuer. Von drei Millionen Menschen, die am Dienstag für neunzig Minuten die Luft anhalten. Von einer Stadt, die sich in einen Kessel verwandelt, in dem Italiens Traum von der WM lebendig verbrannt werden könnte.
„Das ganze land stoppt – und wir zündeln schon mal“
Der ehemalige Roma-Regisseur sitzt in Dubai, wo er seit zwei Monaten als Berater arbeitet, aber seine Stimme klingt, als stünde er mitten auf dem Grbavica-Rasen. „Wenn der Bus der Squadra Azzurra ins Stadion rollt, werden sie verstehen, was Bosnien bedeutet. Die Leute schreien bis zur Ohnmacht, es gibt keine neutralen Zonen. Und ja, es wird brennen – nicht nur metaphorisch.“ Pjanic nickt, als würde er schon die Fackeln riechen.
Die Italiener hatten in Cardiff noch gejubelt, als Wales an den Elfmetern scheiterte. Pjanic zieht die Brauen hoch. „Ich verstehe nicht, warum man sich freut, bevor man uns gesehen hat. Zenica ist kein Vergnügungspark. Dort spielt kein Ball, dort kämpft man um seine Seele.“

Dzeko, 40, letzte kugel im laufwerk
Edin Dzeko habe seinen Sohn inspiriert – buchstäblich. „Mein Junge heißt Edin, das sagt alles“, schmunzelt Pjanic. „Und er ist immer noch derjenige, der uns rettet. In Wales hat er das Tor geschossen, das uns hierher katapultiert. Wenn er am Dienstabend fällt, fallen wir alle.“ Die Zahl spricht für sich: 67 Tore in 132 Länderspielen, 13 davon in den letzten 18 Monaten. Ein Rentner, der wie ein Teenager sprintet.
Doch hinter dem Oldtimer formiert sich neue Macht. Alajbegovic, 17, tritt die Elfmeter wie Pirlo. Dedic, 19, fliegt auf der linken Seite wie ein Kampfjet. Bajraktarevic, 20, schlenzt mit links wie Reus. „Ich habe sie alle unter Vertrag, ich kenne ihre Preise – und ihre Schmerzen“, sagt Pjanic. „Sie wollen nicht nur die WM, sie wollen das Gesicht eines Landes verändern.“

Gattuso’s truppe steht auf dem prüfstand
Rino Gattuso hat seit seinem Amtsantritt nur eine Niederlage kassiert, doch die war tödlich: gegen Norwegen. „Das Pech war, dass sie in unsere Gruppe gelost wurden“, urteilt Pjanic. „Aber das ist kein Alibi. Wenn Italien drei Mal hintereinander zu Hause bleibt, ist das kein Zufall – das ist ein Epochenbruch.“
Die Squadra muss gewinnen, sonst fliegt sie erneut raus. Die Bosnier müssen nur nicht verlieren, um den Traum am Leben zu halten. „Druck? Wir leben davon“, sagt Pjanic. „Die Italiener ersticken darunter.“

Spanien wird weltmeister – yamal ist bereits besser als wir alle
Als wir ihn nach dem Tipp fragen, zögert er keine Sekunde. „Spanien. Pedri und Yamal sind ein Zwillingsherz, das noch zehn Jahre schlägt. Yamal ist 17 und schon besser als ich mit 27.“ Dann lacht er hell. „Aber erst müssen sie durch Zenica. Dort lernt man, dass Talent allein nicht reicht – man braucht auch Feuerwehrleute.“
Der Countdown läuft. In Sarajevo werden schon Jet-Flaggen aufgehängt, in Mostar laufen die Kneipen bereits auf Hochtouren. Und in Zenica? Dort warten sie auf den Tag, an dem ein Ball rollt und ein Kontinent zittert. Pjanic lehnt sich zurück. „Am Dienstag werden wir sehen, wer bereit ist, für sein Land zu brennen.“
