Pisilli schwimmt gegen den strom: vom abstellgleis zum italienischen nationalteam

Ein Winter weg, ein Sommer da – Niccolò Pisilli hat die Kurve gekriegt. Noch im Januar galt der 21-Jährige bei der Roma als überzählig, heute schreibt Trainer Gasperini über ihn: „Strepitoso.“

Von der leihliste ins playoff-rennen

Die Vertragsunterlagen für einen Zwischenstopp bei Cremonese lagen fertig. Doch Pisilli lehnte ab, schluckte stattdessen die bittere Medizin: Einzeltraining, Videoanalyse, Null Minuten in der Serie A. „Wenn du jung bist, musst du schneller lernen als die anderen“, hatte Gasperini nach dem Strafraumfehler gegen Nizza gesagt – und ihn für drei Monate auf die Tribüne verbannt.

Die Antwort folgte am 15. Februar: Doppelpack gegen Stuttgart in der Europa League, danach 90 Minuten gegen Juve, zwei Assists, 13 Ballgewinne. El Aynaoui kehrte aus Afrika zurück und fand seinen Platz verrammelt. Die Roma zahlte statt Leihgebühr jetzt Prämien – Pisilli kassiert die Bonuspunkte für eigene Tore.

Wasser bis zum kinn, aber er paddelt weiter

Wasser bis zum kinn, aber er paddelt weiter

Technisch ist er noch Rohdiamant: Erste Ballkontakt manchmal zu weich, zweite Bewegung aber schon da. 11,3 km Laufleistung gegen Atalanta, 26 Sprints, keine technische Fehlpass-Serie länger als drei Ballberührungen. Die Zahlen liegen auf Barella-Niveau, das Torinstinkt erinnert an Tardelli – allen drei gemeinsam das doppelte „l“ im Nachnamen und ein Temperament, das sich nicht verbiegen lässt.

Jetzt droht der nächste Schnellkurs. Marco Verrattis Syndesmoseband sagt Nein zu den Playoffs, und Gattuso sucht einen jungen Regisseur, der nicht aus der Reserve kommt, sondern aus der Realität der Roma. Pisilli hat gelernt, im Tiefschwimmen zu atmen. Die Nationalmannschaft winkt – und er schlägt bereits mit den Armen.