Pinheiro reißt odermatt die kugel weg: brasilianer trifft im finale und bricht in tränen aus

Lucas Pinheiro Braathen schreibt in Lillehammer Ski-Geschichte – und muss danach weinen. Mit seinem achten Saisonsieg im Riesenslalom stößt er Marco Odermatt vom Thron, sichert sich die kleine Kristallkugel und wird zum ersten Brasilianer, der eine Disziplinenwertung gewinnt. Die 100 Punkte im Finale reichen, um das 48-Punkte-Defizit noch zu drehen. Odermatt fliegt im ersten Lauf raus, Pinheiro fliegt aufs Podest – und direkt in die Geschichte.

Der lauf, der alles versiegelte

Der 25-Jährige fuhr im Gudbrandstal eine 1:57,03-Minuten-Zeit, die keine Antwort zuließ. Die Konkurrenz schaute nur. „Ich kann nicht in Worte fassen, wie stolz ich bin“, sagt er, während ihm die Tränen über die Wangen laufen. „Hell of a ride – das beschreibt es ganz gut.“ Für Pinheiro ist die Kugel mehr als Metall und Glas. Sie ist der Beweis, dass ein Athlet, der sich als Kind in Oslo zwischen zwei Nationen zerrissen fühlte, es bis ganz nach oben schaffen kann. Seit 2024 startet er für Brasilien, das Land seiner Mutter – und trägt nun die grün-goldene Fahne in die Ski-Annalen.

Die Disziplin, die er gerade dominiert hat, nennt er „die Basis des Skifahrens“. Dabei war er nie der Natur-Riesenslalom-Fahrer. Technik war seine Stärke, Speed sein Bauchgefühl. Dass er nun genau hier die Kugel holt, versiegelte seine Transformation vom Slalom-Spezialisten zum Allround-Angreifer. Die Slalom-Kugel hatte er schon 2023 geholt, doch diese hier, sagt er, „ist ganz, ganz besonders“.

Odermatt bleibt trotzdem könig – und zeigt klasse

Odermatt bleibt trotzdem könig – und zeigt klasse

Der Schweizer muss zusehen, wie seine Serie von vier Riesenslalom-Kugeln reißt. „Ich bin vielleicht zu aggressiv reingegangen“, gibt er offen zu. Dennoch: Mit dem Gesamtweltcup holt er zum fünften Mal in Folge die große Kugel – und gratuliert sofort. „Marco ist der beste Skifahrer der Welt“, sagt Pinheiro, „es war mir eine Ehre, mit ihm zu kämpfen.“ Diese Worte kommen nicht von irgendwoher. Sie kommen von dem, der ihn soeben geschlagen hat – und trotzdem Respekt zollt.

Next up: revanche im slalom – gegen den besten freund

Next up: revanche im slalom – gegen den besten freund

Die Kugel-Jagd ist noch nicht vorbei. Mittwoch geht’s im Slalom-Finale weiter. Dort liegt Pinheiro 41 Punkte hinter Atle Lie McGrath – seinem Jugendfreund aus Norwegen, mit dem er einst gemeinsam für dieselbe Nation fuhr. Beide sind 25, beide kennen sich seit der Kinder-Regionalserie. „Wir schauen uns an, klatschen ab, und dann geht’s runter“, sagt Pinheiro. Die Geschichte wiederholt sich: Auch hier ist er der Verfolger. Aber wer ihm heute zugesehen hat, weiß: Rückstand ist nur eine Zahl. Und Tränen können schneller trocknen als ein Slalom-Lauf dauert.

Brasilien feiert seinen ersten Ski-Weltmeister. Pinheiro feiert sich – und wir dürfen morgen wieder zuschauen, wenn er versucht, das Unmögliche zu wiederholen. Die Fahrt ist noch nicht zu Ende.