Pinguins in letzter sekunde: jetzt zählt nur noch ein sieg gegen dresden
14 Uhr Sonntag, Eisarena Bremerhaven – dort wird die Saison entwider ausradiert oder aufgerissen. Die Fischtown Pinguins müssen gegen die Dresdner Eislöwen gewinnen, sonst ist Platz 6 weg, die direkten Play-offs ein Traum, die ganze Saison ein Scherbenhaufen.
Die Rechnung ist schlank: drei Punkte Rückstand auf Berlin, sieben Tore schlechtere Differenz. Die Eisbären empfangen zeitgleich den aufgelegten EHC München, der nach dem 10:1 gegen Straubing noch nach Rang zwei schnuppern kann. München kann, Berlin muss, Bremerhaven betet.
0:3-Rückstand, dann der befreiungsschlag in nürnberg
Freitag in der Nürnberger Arena war mehr als zwei Drittel lang alles verloren. 1:3 stand es, die Pinguins wirkten leer, die Play-offs ein Fremdwort. Dann bogen sie die Partie in acht Minuten um, trafen fünf Mal, kassierten nur noch einen Gegentreffer. „Charaktersieg“, sagte Coach Alexander Sulzer, und das war keine Phrase. Es war die Zusammenfassung eines Teams, das sich selbst wieder gefunden hat, nach Wochen der Unsicherheit.
Jetzt steht dieselbe Truppe vor einer Aufgabe, die auf dem Papier ein Freundschaftsspiel ist: Dresden, Tabellenletzter, 15 Niederlagen aus den letzten 16 Spielen, bereits abgestiegen. Doch genau das macht die Sache gefährlich. Kein Druck mehr für die Sachsen, dafür Freiheit. Und Freiheit schlägt Angst, wenn der Gegner zu sehr an die Konsequenzen denkt.

Die tordifferenz könnte das saisonziel töten
Die Pinguins können also gewinnen und trotzdem siebter bleiben, wenn Berlin zumindest in die Verlängerung geht. Dann winkt kein direktes Viertelfinale, sondern eine Best-of-Three-Qualifikation gegen Augsburg oder Schwenningen – mehr Spiele, mehr Risiko, weniger Geld, kürzere Pause. Für Teammanager Sebastian Furchner ist das keine Alternative: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und dann auf den Ausrutscher hoffen.“
Die letzten Trainings sind gelaufen, die Taktik steht: schnell auf Drehen, frühes Pressing, Dresden hinten überlaufen, bevor die eigene Angst erwacht. Die Anzeigetafel wird nicht nur Tore, sondern auch die Eisbären-Partie ticken. Jeder Treffer in München, jeder Berliner Patzer hallt in Bremerhaven nach.
Die Arena wird ausverkauft sein, 4 000 Stimmen, die sich zwischen Hoffen und Platzen bewegen. Die Spieler wissen: Verlieren bedeutet nicht nur Platz sieben, sondern auch das Ende aller Illusionen auf eine ruhige Play-off-Runde. Die Saison wäre nicht gescheitert, aber ihr Ziel. Und das nach einem Jahr, in dem der Kader breiter schien als je zuvor.
Um 15.45 Uhr ist alles vorbei. Dann entweder Jubel bis zur Decke oder das Gefühl, gegen eine Geistertruppe gespielt zu haben, die längst in der zweiten Liga plant. Die Pinguins haben sich diese Dramatik selbst erarbeitet – durch verlorene Heimspiele im Februar, durch die 0:5-Pleite in Köln, durch zu viele Überstunden gegen Mannschaften, die sie eigentlich hätten schlagen müssen. Jetzt ist die letzte Bühne da, und sie ist aus Eis.
Der Puck fällt um 14 Uhr. Bis dahin zählt jeder Atemzug, jeder Sekundenzeiger, jedes Gerücht aus der Hauptstadt. Die Saison der Pinguins endet entweder mit einem Sieg, der in die Geschichtsbücher eingeht – oder mit einer Heimniederlage gegen den Tabellenletzten, die man so schnell nicht vergessen wird. Es ist kein Spiel mehr, es ist ein Schnappschuss. Und der Auslöser drückt am Sonntag um 14 Uhr.
