Iran will doch spielen – aber bloß nicht in den usa

Die Katze im Sack heißt offiziell Team Melli: Irans Sportminister Ahmed Donjamali ließ am Freitag durchblicken, dass Teheran seine WM-Gruppenspiele nach Mexiko verlegen will. Die FIFA schweigt, die Fans rätseln, und die Gegner wissen nicht, ob sie überhaupt jemanden vorfinden werden.

Verhandlung oder nebelkerze?

Die Meldung kam über die Staatsagentur IRNA – ein Medium, das in Teheran keine Zeile ohne Genehmigung druckt. Donjamali sprach von „geschaffenen Bedingungen“, klang aber wie ein Mann, der selbst nicht an sein Happy-End glaubt. Denn die Fakten blockieren den Weg: Tickets sind verkauft, Quartiere gebucht, die Gruppe G fix in Kansas City, Atlanta und Cincinnati terminiert. Ein Umzug würde bedeuten, 150 000 Karten zu stornieren, Fernsehrechte neu zu verhandeln und Sponsoren zu entschädigen. Kurz: Es würde die Dreiländer-WM aus der Fuge heben.

Der Iran will sich offenbar als Opfer inszenieren: Die USA verweigern iranischen Fans die Einreise, Trump droht den Spielern mit „Lebensgefahr“, und die FIFA schiebt das Thema in die Schublade „später“. Die Strategie ist klar: Wenn die Partien nicht verlegt werden, kann Teheran den Boykott als erzwungen verkaufen. Die eigene Absage wäre damit keine Niederlage, sondern ein Akt des Widerstands.

Infantino sitzt zwischen den stühlen

Infantino sitzt zwischen den stühlen

Gianni Infantino pflegt seit Monaten ein fast unterwürfiges Verhältnis zum Weißen Haus. Er nannte Trump „Garant für die sicherste WM aller Zeiten“, ließ sich ins Oval Office einladen und schwieg, als der Präsident forderte, „die Iraner gehören nicht hierher“. Dagegen steht Infantinos Selbstbild als globale Friedensstifterfigur. Mexiko anzurufen und Gruppenspiele um 2 000 Kilometer zu verschieben, würde ihn vor die Wahl stellen: entweder den Gastgeber USA vor den Kopf stoßen oder das Turnierkonzept sprengen.

Die Logistik spricht gegen den Iran. Die Moral auch. Die FIFA-Statuten verlangen „gleiche Bedingungen für alle Teilnehmer“. Wenn einer Nation Sonderrechte zugestanden werden, müssten alle anderen mitziehen dürfen. Ein Präzedenzfall, der das Turnier ad absurdum führen würde.

Der boykott bleibt die wahrscheinlichste variante

Der boykott bleibt die wahrscheinlichste variante

In den Katakomben der iranischen Führung kursiert bereits ein internes Papier, das drei Szenarien auflistet: A) Verlegung nach Mexiko – unwahrscheinlich. B) Teilnahme in den USA – politisch unverkäuflich. C) Boykott mit anschließender Klage wegen „Diskriminierung“. Option C gilt als Vorzeigeoption. Sie würde das Regime vor der eigenen Bevölkerung als Opfer inszenieren und gleichzeitig die FIFA in die Defensive drängen.

Die Spieler schweigen. Kapitän Ehsan Hajsafi postete nach der Qualifikation ein Foto mit der Aufschrift „Wir sehen uns in den USA“, löschte es aber wenig später. Die Angst vor Repressalien ist real: Wer öffentlich für die Teilnahme wirbt, gilt im Machtapparat als Verräter. Wer sich gegen die Reise ausspricht, riskiert das Label des Staatsfeindes.

Die Uhr tickt. Am 15. Juni eröffnet die WM in Los Angeles, am 17. Juni soll der Iran gegen Belgien antreten. Noch hat niemand das offizielle Auswahlformular abgeschickt. Die FIFA wartet auf eine schriftliche Erklärung, Teheran wartet auf ein Wunder. Wahrscheinlicher ist, dass die Mannschaft in 90 Tagen nicht aufläuft – und die Geschichte einen weiteren Fußball-Fall für die Gerichte liefert.

Die WM 2026 wird also vermutlich ohne den Iran stattfinden. Die erste Absage eines qualifizierten Teams seit 1950 steht bevor. Und sie kommt nicht durch einen Krieg, sondern durch ein Machtspiel, bei dem der Ball nur Nebenfigur ist.