Pfosten, rutsch, aus: midtjyllands elfmeter-alptraum gegen nottingham
Pfosten. Pfosten. Rutsch. In 120 Sekunden zerplatzte der Traum von Herning, und Mike Tullberg stand mit leeren Händen da. Der frühere BVB-Coach sah, wie drei seiner Spieler nacheinander scheiterten, der Ball zweimal Metall und einmal Luft traf – und Nottingham Forest im Achtelfinale blieb.
Die Szene war so unglaublich, dass selbst der Co-Trainer Morten Duncan Rasmussen laut dänischen Reportern nur noch den Kopf schüttelte. Tullberg, sonst ein Mann der nüchternen Zahlen, fragte ihn direkt: „Warum zum Teufel haben wir Elfmeter geübt?“ Die Antwort war offensichtlich: Nicht genug, oder schlicht vergessen.
Der lauf, der alles kaputt machte
Edward Chilufya war die letzte Hoffnung. Der Sambier hatte sich warmgeschossen, die Schultern zurückgelegt – und rutschte aus. Der Ball segelte meterweit über das Tor, die Nottingham-Fans brüllten, die Midtjyllander taumelten. Davor hatten Cho Gue-sung und Aral Simsir beide den linken Pfosten getroffen, als hätte der Metallsteg ein Eigenleben entwickelt.
Tullberg sprach danach von „Verantwortung“, die seine Schützen übernommen hätten. Doch die Verantwortung für das Ausscheiden lag tiefer: Im Rückspiel hatte Midtjylland 120 Minuten lang die Chance, den 1:0-Vorsprung aus dem ersten Duell zu vergolden. Stattdessen lag man kurz vor der Pause 0:2 zurück, erst ein spätter Anschlusstreff in der 69. Minute schob die Partie in die Verlängerung. Dort hatte Ryan Yates den Siegtreffer erzielt – aber die Fahne hob sich, Abseits.

Statistik, die weh tut
Drei Elfmeter, kein Treffer. Das ist die schlechteste Quote eines Klubs in einem europäischen K.-o.-Duell seit 2014, als Ajax ebenfalls drei Mal daneben schoss. Die Zahlen sprechen für sich: Midtjylland traf in dieser Europa-League-Saison nur 36 Prozent seiner Fernschüsse, die schwächste Quote aller noch vertretenen Teams. Und dennoch war der Coach klar: „Es ist nicht ihre Schuld. Wir hätten vorher ein Tor machen müssen.“
Tullberg wird die Nacht in Herning nicht vergessen. Kein Trainer vergisst so eine Nacht. Und kein Spieler vergisst das Gefühl, wenn der Platz unter den Füßen wegbricht und der Ball nicht im Netz, sondern im Nichts landet. Die Saison ist vorbei, die Lektion bleibt: Üben hilft nur, wenn das Glück mitspielt. Gestern war es woanders.
