Dzemaili packt aus: »ich hätte fast beim ac milan unterschrieben – stattdessen verpasste ich den großen traum«

Blerim Dzemaili hat seine Karriere längst beendet, doch ein Transfer-What-if nagt noch heute an ihm. Im Gespräch mit RSI Sport gestand der ehemalige Schweizer Nationalspieler, dass er 2007 statt nach Bolton Wanderers eigentlich zum AC Milan wechseln sollte – und das genau in dem Sommer, in dem die Rossoneri die Champions League gewannen.

Die premier-league-illusion, die alles kaputt machte

»Ich war jung, aufgewachsen in der Deutschschweiz. Für uns war nur Bundesliga und Premier League relevant«, erklärt Dzemaili. Der damals 21-Jährige ließ sich vom englischen Klubflair blenden und unterschrieb beim Tabellen-13. der Vorsaison. Milan-Manager Adriano Galliani hatte ihm indes ein konkretes Angebot auf den Tisch gelegt – mit Perspektive auf Kaka, Gattuso & Co. als Teamkollegen.

Die Folge: Dzemaili stolperte in der Premier League über 1.100 Spielminuten, ohne je richtig durchzustarten. Milan holte in der Zwischenzeit die siebte Europa-Cup-Trophäe und krönte sich zur besten Club-Mannschaft der Welt. »Wenn ich heute zappen und die alten CL-Spiele sehe, denke ich: ‚Idiot, das hättest du live miterleben können‘«, so der heute 39-Jährige.

Warum milan ihn trotzdem nie bereute

Warum milan ihn trotzdem nie bereute

Intern galt der damalige Mittelfeld-Rotte als Kompensations-Transfer für den drohenden Verlust von Andrea Pirlo, der sich letztlich doch nicht in Richtung Madrid abwandte. Dass Milan nach Dzemailis Absage sofort auf Emerson umstieg, zeigt: Die Entscheidung war damals bereits auf höchster Ebene durchdekliniert. Der Schweizer war nur eine Option – wurde aber zur Lebens-Drehscheibe.

Zahlen belegen die Kluft: Milan zahlte 2007 für Emerson 7 Mio. Euro, Dzemaili wechselte für 1,5 Mio. nach England. Sein Marktwert stieg nie über 5 Mio., während Milan kurz darauf mit Ronaldinho und Beckham die globale Marke perfektionierte. Dzemaili blieb ein Leben lang ein »Was wäre wenn«-Spieler.

Die lektion, die jungprofis heute lernen sollten

Die lektion, die jungprofis heute lernen sollten

»Wenn ein Top-Club aus Spanien oder Italien anklopft, frag nicht nach der Liga, frag nach der Historie«, rät Dzemaili heute in Nachwuchsseminaren. Der Weg nach Bolton war seinerzeit ein Sprung ins kalte Wasser – ohne Leihweste. Milan hätte ihm eine Schwimmhilfe in Form von Champions-League-Podium und italienischem Medienrummel geboten.

Sein Fazit klingt wie ein Abschiedsbrief an sein jüngeres Ich: »Ich wollte unbedingt England erleben. Am Ende lernte ich, dass Timing wichtiger ist als Träume.« Und dass ein Trikot mit dem Schriftzug Fly Emirates auf der Brust mehr Karriere-Flügen verleiht als ein Relegationskampf in Lancashire.