Pfattheicher ballert sich mit 170 treffern an die spitze – zweite liga wird zur ein-mann-show

22 Spieltage, 170 Bälle im Netz – Sascha Pfattheicher jagt nicht mehr nur die Konkurrenz, er jagt die Geschichtsbücher. Der Balinger Linkshänder hat die 2. Handball-Bundesliga mit einem Vorsprung von 36 Treffern so dominiert wie selten ein Angreifer vor ihm.

Frieder Bandlow mag sich in Nordhorn die Haare raufen. 134 Tore klingen nach Spitzenwert, lesen sich vor Pfattheichers Zahlenkoloss jedoch wie eine Fußnote. Der Gästeblock in der Nordhorn-Arena summt schon jetzt „Wenn wir nach Balingen fahren, müssen wir zwei Keeper mitbringen“. Die Rechnung: einer hält, der andere klatscht Pfattheicher beim Einwurf schon mal auf die Schulter – vielleicht kühlt das ihn ab.

Wieling rutscht auf platz drei – und merkt, wie rau der zweitliga-himmel ist

Tim Roman Wieling kannte diese Perspektive lange nur aus der Ferne. 118 Treffer, Tendenz steigend, doch statt Jubel folgt Frust: „Ich müsste jedes Spiel ein Netz einbauen, damit er aufhört“, sagte der Lübbecker nach dem 32:29 gegen Großwallstadt, wo er mit acht Toren zwar Schalles überholte, die eigene Anschlussluft aber trotzdem dünner wurde. 52 Treffer fehlen noch bis zur Spitze – eine Distanz, die selbst Optimisten als Saisonziel streichen.

Die Torschützenliste liest sich wie ein Who-is-Who des baldigen Aufstiegskampfes. Hinter Pfattheicher, Bandlow und Wieling lauern mit Maxim Schalles (116), Timm Buck (114) und Paul Holzhacker (111) drei Akteure, die ihre Teams momentan auf Play-off-Kurs halten. Die Creme der Liga trifft, die Creme der Liga gewinnt – eine einfache Gleichung, die Trainer nachts wach werden lässt.

Elf siebenmeter-tore pro spiel – pfattheichers geheimrezept kommt vom kreis

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95 seiner 170 Treffer erzielte der 27-Jährige per Strafwurf. Das entspricht 55,8 Prozent – ein Wert, der selbst Bundesliga-Klubs ins Stadion lockt. Scouts aus Köln, Berlin und Flensburg haben bereits Akten über den Rechtsaußen angelegt, der ursprünglich als Kreisläufer begann. „Ich weiß, dass mich jeder kennt“, sagt Pfattheicher, „aber solange die Masche wackelt, spiele ich weiter.“

Die Frage ist nicht, ob Balingen aufsteigt – nur wann. Mit 40:4 Punkten liegen die Württemberger bereits neun Zähler vor Platz drei, dem letzten Aufstiegsplatz. Trainer Markus Baur schickt Pfattheicher regelmäßig schon nach 45 Minuten duschen, um ihn für den Endspurt zu schonen. Die Konkurrenz ahmt das nach: In Nordhorn schont man Bandlow, in Lübbecke wird Wieling nur noch gegen den Ball geschont.

Die Liga schaut auf eine Saison, in der ein einzelner Spieler die Debatte über Qualität und Sinn der Zweiten Liga entfacht. Denn wenn ein Angreifer nach 22 Spieltagen so abgehoben ist, dass selbst seine Verfolger nur noch seine Rückennummer sehen, stellt sich die Frage nach der Balance zwischen Fördern und Fordern. Die Antwort liefert Pfattheicher selbst – Tor um Tor. Bislang 170 Mal.