Pesic zerreißt serbisches basketball-korsett: „wir sind eine nation ohne liga“

Svetislav Pesic schlug in Belgrad ein wie ein Meteor. 80:85 gewannen seine Bayern, doch der Schock saß tiefer – im Herzen des serbischen Basketballs.

Der 74-jährige Serbe, heute Coach des FC Bayern, kehrte in die Halle zurück, die er einst zum Silber- und Bronzeglanz führte. Was er sah, gefiel ihm nicht. „Mein größter Erfolg war nicht die Medaille, sondern dass wir uns überhaupt qualifiziert haben“, donnerte er nach dem Abpfiff und zog damit den Finger durch die Wunde, die jedes serbische Fan seit Monaten umtreibt: Die Nationalmannschaft taumelt durch die WM-Quali, zwei Niederlagen gegen die Türkei lassen das Ticket für 2027 offen wie ein Springgraben.

Qualifikationschaos und die folgen

Die Länderspielfenster mitten in der Saison? Ein Horror. Stars bleiben in NBA und EuroLeague, der Verband schickt B-Teams, Punkte bleiben aus. Pesic erinnert sich an Glückstagen: „Wir spielten damals im August gegen Griechenland und die Türkei und schlugen sie beide.“ 2002 stand er noch als jugoslawischer Coach auf dem Podest. Heute steht er vor Journalisten und erklärt, warum die eigene Liga nur noch ein Schatten ist.

Sechs serbische Klubs starten in der ABA-Liga, einem regionalen Flickenteppich aus Bosnien, Slowenien, Montenegro, Kroatien – plus Exoten wie Dubai und Wien. Die serbische Meisterschaft? Ein Nachruf in Echtzeit. „Wir sind Rekordhalter bei Podcasts, aber keiner redet über unsere Liga“, zetert Pesic. „Wir sind eine Basketball-Nation ohne eigene Liga.“

Die lösung liegt auf dem tisch

Die lösung liegt auf dem tisch

Seine Forderung ist messerscharf: Roter Stern und Partizan müssen von Spieltag eins an in der heimischen Liga spielen, nicht erst nach einer Vorrunde gegen zweitklassige Gegner. Seit dem Zerfall Jugoslawias holten die beiden Traditionsgiganten jeden Titel – aber eben außerhalb serbischer Grenzen. Die Konsequenz: Nachwuchs schielt nach Madrid und Barcelona, Sponsoren ziehen mit, und die Fans verkabeln sich mit Liga-Endspielen in Podgorica oder Ljubljana statt in Belgrad.

Bayern drehte in der Arena der Zvezda auf, doch Obst und Lucic waren es, die die Partie spiegelten – nicht die serbische Zukunft. Pesic weiß: Ohne Reform bleibt das Nationalteam abhängig von Dusan Alimpjevics Not-Truppen und von Hoffnungslücken im Kalender. Die 80:85 sind ein Sieg für München, aber eine Ohrfeige für Belgrad.

Der Countdown läuft. 2027 naht. Und Pesic hat klar gemacht: Ohne echte Heimspiele wird es kein echtes Heimteam geben. Die Medaillen verstauben im Schrank. Die Wahrheit liegt offen auf dem Parkett.