Partey-affäre überschattet wm-debüt ghanas: einreise nach kanada verweigert!
Die Vorfreude auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko ist für Ghana getrübt – und das aus zweifacher Hinsicht. Zum einen lasten schwere Vergewaltigungsvorwürfe gegen Vize-Kapitän Thomas Partey auf dem Team, zum anderen hat Kanada ihm die Einreise verweigert, was seine Teilnahme an mindestens zwei Gruppenspielen unmöglich macht.
Die schattenlast der vorwürfe
Die Black Stars haben sich zum fünften Mal in der Geschichte für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Doch statt ausgelassener Freude begleitet eine schmerzhafte Angelegenheit die Anreise: Thomas Partey, Leistungsträger und Drehscheibe im Mittelfeld, steht in Großbritannien vor Gericht, angeklagt in sieben Fällen der Vergewaltigung und einem Fall der sexuellen Nötigung. Die Vorfälle sollen sich zwischen 2021 und 2022 ereignet haben. Partey selbst bestreitet die Anschuldigungen vehement, bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt er aber weiterhin der Unschuldsvermutung unterworfen.
Nationaltrainer Carlos Queiroz betonte, dass er aufgrund der laufenden Ermittlungen keinen Anlass sehe, auf Partey zu verzichten. Ein klares Statement, das die Zerrissenheit der Situation verdeutlicht: Einerseits der Glaube an die Unschuld des Spielers, andererseits die moralische Frage, ob ein Beschuldigter in einem so gravierenden Fall überhaupt in einem Nationalteam stehen sollte.

Kanadas harte entscheidung: visum verweigert
Doch die sportliche und moralische Debatte wird durch eine juristische Hürde noch komplizierter. Kanada, eines der drei Gastgeberländer, hat Thomas Partey die Einreise verweigert. Die FIFA bestätigte, dass sein Visumantrag abgelehnt wurde und er daher nicht am ersten Gruppenspiel gegen Panama in Kanada teilnehmen kann. <„Die Entscheidung über Visa liegt letztendlich bei der Regierung des Gastgeberlandes“, so die offizielle Stellungnahme der FIFA.
Ghana versuchte zwar mit einer einstweiligen Verfügung, die Entscheidung zu kippen, doch das Bundesgericht in Ottawa wies den Einspruch ab. Partey wird während des Spiels in Rhode Island (USA) auf seinen Einsatz warten müssen. Glück für Ghana: Die restlichen Gruppenspiele werden in den USA ausgetragen, sodass er dort zumindest zum Einsatz kommen kann. Sollte Ghana als einer der besten Gruppendritten in die K.O.-Runde einziehen, könnte es jedoch erneut zu einem Duell mit Kanada kommen.

Die öffentliche meinung und die reaktion in ghana
Die Situation spaltet die Öffentlichkeit. Beim Testspiel gegen Wales in Cardiff wurde Partey von den Zuschauern gnadenlos ausgepfiffen – ein Vorgeschmack auf die mögliche Reaktionen, wenn er auf dem Platz steht. Auch in seiner Heimat Ghana wird die WM-Nominierung kontrovers diskutiert. Ein Artikel auf Sports World Ghana fragte provokativ: „Soll Thomas Partey Ghana bei der Weltmeisterschaft vertreten, obwohl gegen ihn ein Verfahren wegen Vergewaltigung läuft?“
Queiroz verteidigt seine Entscheidung mit Nachdruck, räumt aber ein, dass die öffentliche Wahrnehmung – insbesondere in Großbritannien – stark abweichend ist. „Heute werden wir leider schon verurteilt, bevor wir überhaupt die Gelegenheit haben, uns zu verteidigen“, klagt der erfahrene Coach, der auf eine differenzierte Betrachtung plädiert.
Henry Asante Twum, Kommunikationsdirektor des ghanaischen Fußballverbands, sieht hinter den medienwirksamen Protesten sogar einen kalkulierten Schachzug Englands. „Die englischen Medien nutzen dies als Psychospielchen, um die Mannschaft zu verunsichern“, so Twum, der seinem Team und seinem Spieler sein vollstes Vertrauen zusichert.
Die WM-Partie gegen England am 23. Juni könnte zu einem weiteren Brennpunkt werden – nicht nur sportlich, sondern auch emotional. Ob die englischen Spieler Partey vor dem Anpfiff die Hand geben werden, ist noch offen und wird von den jeweiligen Vereinen und Spielern individuell entschieden werden.
Die Causa Thomas Partey wirft einen langen Schatten auf Ghanas WM-Ambitionen. Jedes Spiel, jede Pressekonferenz könnte von den Vorwürfen überschattet werden, die sportlichen Leistungen in den Hintergrund gedrängt werden. Ob Ghana trotz dieser Belastung eine erfolgreiche WM spielen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Fokus liegt nicht nur auf dem Ball, sondern auch auf dem Recht.
