Sané: nagelsmann verteidigt, babbel staunt – ist das ein scherz?

Darmstadt – Der Aufschrei war perfekt hörbar: Leroy Sané, eigentlich ein Mann der großen Auftritte, stolperte im Länderspiel gegen Curacao über sich selbst. Ein Hackentrickversuch in der eigenen Hälfte, der stattdessen den Ball in die Füße des Gegners beförderte – ein Moment, der Sanés Kritiker nur allzu gerne für ihre Zwecke missbrauchten. Doch während die Fans und Ex-Profis die Augenbrauen hochziehen, sieht Bundestrainer Julian Nagelsmann scheinbar eine ganz andere Geschichte.

Die fleißige biene statt des glänzenden torjägers

Während Deniz Undav in seinen 30 Minuten gegen Curacao mit einem Tor und zwei Assists für vielversprechenden Offensivgeist sorgte, blieb Sané blass. Doch Nagelsmann scheint nicht an Toren und Vorlagen zu messen. Stattdessen lobt er den Fleiß und die Einsatzbereitschaft des Flügelstürmers. Eine Bewertungsgrundlage, die so manchen überrascht und den Luxus erfordert, nicht an konkreten Ergebnissen gemessen zu werden – ein Privileg, das Sané offenbar genießt.

Markus Babbel, ehemaliger Nationalspieler, äußerte sich verwundert: „Ich bin sehr verwundert darüber, dass alle so verwundert sind. Ich kenne es ehrlich gesagt nicht großartig anders von ihm.“ Eine Aussage, die die Frage aufwirft: Ist Sanés Sonderstellung im Team eine bewusste Entscheidung Nagelsmanns oder ein Zeichen für eine grundsätzlich veränderte Bewertung von Spielerleistungen?

Kimmich setzt ein deutliches zeichen

Kimmich setzt ein deutliches zeichen

Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Meinung und der Wahrnehmung im Team ist immens. Joshua Kimmich, Kapitän der Nationalmannschaft, sprang Sané zur Seite und verteidigte ihn in aller Öffentlichkeit. „Ich finde das nicht verständlich. Er war extrem engagiert. Speziell sein Umschaltverhalten, er hat mich nie alleine gelassen, ist immer zurückgesprintet“, betonte Kimmich. Er sieht in Sané einen wichtigen Baustein für das Team, dessen Einsatzwillen über das bloße Erzielen von Toren hinausgeht. Es scheint, als ob Kimmich als Kronzeuge für Sanés Fleiß fungiert und damit die Kritik von Fans und Medien in den Hintergrund drängt.

Die Frage ist, ob sich das Image von Leroy Sané jemals ändern wird. Sein holpriger Abschied vom FC Bayern und seine schwankenden Leistungen in der Bundesliga und der Nationalmannschaft scheinen dem Flügelspieler auf der Zunge zu liegen. Nagelsmann und seine Mitspieler mögen ihn noch so vehement verteidigen – die Vergangenheit lässt sich nicht einfach auslöschen. Aber eines ist gewiss: Solange Nagelsmann an Sané festhält, wird der Spieler weiterhin eine Reizfigur bleiben, ein Mann, der polarisiert und für Gesprächsstoff sorgt. Die Mannschaft profitiert von seiner Dynamik, doch die Erwartungen der Öffentlichkeit bleiben hoch.

Ob Sané jemals den skeptischen Blicken der Fans entkommen kann, bleibt abzuwarten. Aber eines ist klar: Die WM bietet ihm die Chance, sein Image neu zu definieren – und das nicht nur durch Tore, sondern durch unermüdlichen Einsatz und Teamgeist.