Tuchel-debatte brodelt: müller äußert zweifel am englischen wm-traum

Die Fußballwelt diskutiert, und die Debatte um Bundestrainer Thomas Tuchel geht weiter – nun auch mit einem pikanten Verdacht von Thomas Müller. Während England am Mittwochabend sein WM-Qualifikationsspiel gegen Kroatien bestreitet, schüren die Stimmen, die Tuchel in den englischen Reihen kritisch sehen, die Kontroverse um die Wahl des Deutschen als Nationaltrainer.

Ein deutscher trainer auf der bank – ein problem für die engländer?

Ein deutscher trainer auf der bank – ein problem für die engländer?

Müller, am Rande des Duells zwischen Frankreich und Senegal aufmerksam, äußerte sich zu der Situation. „Ich habe das Gefühl, die haben den Laden sehr gut im Griff. Vielleicht nicht so, wie sich das jeder Engländer vorstellt“, so der ehemalige Nationalspieler. Sein Verdacht: Für einige englische Fans könnte selbst ein WM-Titel nicht zählen, sollte Tuchel die Mannschaft führen. Ein deutscher Trainer auf der Bank – für manche ein unerträglicher Gedanke. Diese Auffassung, die Müller aus Gesprächen mit Engländern vernehmen konnte, wirft einen interessanten Blick auf die kulturellen Unterschiede im Fußball.

Tuchel kann derweil alle Kritiker verstummen lassen. Die Qualifikation für die WM verlief für England reibungslos – ein Erfolg, der ihm Rückhalt verschafft. Doch Müller sieht mehr dahinter. Er glaubt zu wissen, warum Tuchel so nominiert hat: „Es wirkt auf den ersten Blick außergewöhnlich. Es geht darum, ein Turnier zu spielen und diesem Turnier Rechnung zu tragen. Spieler, die nicht viel Spielzeit bekommen, sind ebenso wichtig wie jene für Sondersituationen.“

Müllers Analyse: Eine Frage der Flexibilität und des Teamgeistes.

Er erinnert an die Probleme der vorherigen Generation, die durch zu viele Egozentriker geprägt war: „Die Spieler der früheren Generation haben selbst gesagt, das war ein Problem. Wir haben nicht miteinander gekonnt, wir waren alle zu groß, nur Alphatierchen.“ Tuchel scheint genau diese Fehler erkannt und vermieden zu haben, indem er einen Kader zusammengestellt hat, der nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch die nötige Flexibilität und den Teamgeist besitzt. „Er hat, glaube ich versucht, einen Kader zu nominieren, wo er denkt, dass er da alle Teilchen zusammenfügen kann, die er braucht, um Weltmeister zu werden. Und eben nicht einfach nur, dass die Werbepartner zufrieden sind, dass die großen Gesichter mit dabei sind.“

Die Nicht-Nominierung einiger Stars könnte zudem auf ihre sportliche Form zurückzuführen sein. Müller: „Diese Spieler kommen alle nicht aus ihrer stärksten Saison.“ Ob Tuchels mutiger Ansatz sich am Ende auszahlt, wird die WM zeigen. Das erste Urteil fällt am Mittwoch gegen Kroatien. Der Druck ist hoch – für Tuchel und für das englische Team.