Pancaro schaltet warnlicht: lazio-milan wird zur zitterpartie um die meisterschaft

Giuseppe Pancaro spricht Klartext. Der Doppel-Ex des AS Rom und des AC Mailand sieht den Scudetto-Kampf wieder offen – und warnt die Rossoneri vor dem Gastspiel im Olimpico. „Das wird kein Selbstläufer“, sagt der ehemalige Linksverteidiger, der 1999/2000 mit Lazio und 2003/04 mit Milan jeweils die Meisterschaft feierte.

„Milan ist fit, lazio bekommt den rückenwind der kurve zurück“

Die Zahlen sprechen für Milan: sieben Punkte Rückstand auf Inter, Derby-Sieg in der Tasche, Formkurve nach oben. Doch Pancaro mischt die Karten. „Die Laziali kehren nach Protesten gegen die Vereinsführung endlich wieder ins Stadion zurück. Das wird eine Atmosphäre wie in alten Zeiten, und genau diese Emotion kann eine angeschlagene Mannschaft tragen.“ Tatsächlich holte Lazio unter Igor Tudor aus den letzten fünf Ligaspielen nur einen Sieg – die Druckkessel-Stimmung am Sonntagabend ist ihr letztes Trumpfgeld.

Massimiliano Allegri wiederum hat Milan nach dem 2:1 im Derby stabilisiert. Pancaro lobt: „Er hat eine junge Truppe mit der nötigen Ruhe versorgt und trotzdem die Spielkultur nicht verraten.“ Besonders Luka Modric habe ihn überrascht. „Kroatiens Kapitan liefert jede Woche ab, obwohl er 38 ist. Seine Erfrischungsrate liegt über 90 Prozent – ein Wert, den man bei Spielern über 30 selten misst.“ Gleichzeitig mahnt er: Rafael Leão besitze „noch Luft zwischen aktuellem Output und möglichem Maximum“. Der Portugiese steht bei neun Torbeteiligungen, könnte laut Pancaro aber „mit 15 Plus“ jederzeit spielen.

Inter bleibt favorit, doch die meisterschaft lebt

Inter bleibt favorit, doch die meisterschaft lebt

Verlieren die Nerazzurri am Wochenende in Udine, Milan gewinnt in Rom, schrumpft der Rückstand auf vier Zähler. „Dann beginnt die Endphase mit Vollgas“, sagt Pancaro. „Inter hat den komfortabelsten Kader, aber die letzten Saisons zeigen: Wenn sich ein Klub in Schlagdistanz manövriert, kann eine einzige Niederlage die Tür aufstoßen.“ Milan hat nach der Lazio-Partie noch acht Partien – unter anderem Heimspiele gegen Juve und Atalanta. „Die Quadratur des Spielplans ist lösbar“, bilanziert der 51-Jährige.

Sein Fazit fällt knapp aus: „Wenn Milan drei der verbleibenden Top-Spiele gewinnt und dabei auch die Tordifferenz aufholt, ist alles drin. Die Mannschaft darf nur nicht glauben, dass das Scudetto durch Wunschdenken kommt.“ Der ehemalige Italian-International tippt ein 2:1 für Milan – „aber erst nach 85 Minuten intensiver Kopfarbeit“.