Palou entzaubert barber: 13 sekunden sieg, aber reifen-poker fast explodiert
Álex Palou fuhr in Alabama einem 13-Sekunden-Sieg entgegen – und hätte beinahe die komplette Strategie gegen die Wand gesetzt. Die Pole-Position war nur Fassade. Hinter den Visiren brodelte ein Reifen-Krimi, der selbst erfahrene Boxenwände blanchierte.
Der warm-up-schrecken um 08:45 uhr
Die Bombe platzte in der letzten zehnminütigen Session. Weiche Reifen – sonst die Versicherung für schnelle Überholmanöver – verwandelten sich in Butter. „Wir sahen sofort, dass die Option-Slicks im Rennen keine 15 Runden überleben“, sagt Palou. Übrig: ein Satz frische Härte plus zwei gebrauchte, einer davon bereits mit sichtbarer Blase. Wer aber zwei Mal auf Soft geht, riskiert ein zweites Pit-Stop-Desaster. Also griff das Crew von Chip Ganassi zu einem Tabu: Start auf abgenutzten Primes aus dem Freien Training zwei – 10 Runden bereits auf der Uhr, Temperaturzyklen im Gepäck.
Die Wette war klar: Eine Safety-Car-Phase und Palou hätte die Bank gezogen. Doch Barber Motorsports Park spielte diesmal nicht mit. Grüne Flut, 90 Grad Asphalt, keine Vollgas-Bremszonen – perfekt für einen Reifen-Mörder. Palou musste 90 Runden lang ein Mikro-Management fahren: Außenlinie fahren, um Luft zu kühlen, Eingänge fliegender Rundentempo drosseln, damit der harte Mischung nicht glasig wird.

Die hühnerhaut-szene nach boxenausgang
Runde 58, letzter Stopp. Palou raus, Lundgaard drin. Theoretisch 5,2 Sekunden Polster. Praktisch ein Albtraum: Mick Schumacher rollt vor ihm auf die Einfahrt, dahinter ein Sicherungsauto-ähnlicher Zug von drei Backmarkern. Palou muss ins Gras, Staubwolke, Temperaturspitze. „Die Jungs blockierten mich, als ginge es um den Indy-500-Sieg. Drei Runden lang war mein Delta weg“, schluckt er.
Lundgaard prescht dahinter mit zwei neuen Härte-Sätzen, McLaren rechnet: Bei einem weiteren Safety-Car könnte der Däne springen. Doch dann vermasselt die McLaren-Box selbst die Mathematik – Mechaniker zögert, Druckminderer klemmt, 4,8 Sekunden Stillstand. Palou bekommt Luft, seine alten Reifen plötzlich ein Vorteil: keine Einbrenn-Phase, keine Korn-Phase, nur reines Tempo.

Was die zeitenliste nicht erzählt
Am Ende 13,4 Sekunden Vorsprung – ein Wert, der in der IndyCar so selten ist wie ein Hole-in-One auf dem Loch 17 von TPC Sawgrass. Doch Palou schüttelt nur den Kopf: „Wer nur das PDF sieht, glaubt, wir wären auf einer anderen Strecke gefahren. Das stimmt nicht. Wir haben an der Haarkante entlang gekratzt.“
Die Statistik lügt nie, erzählt aber auch nicht die halbe Wahrheit. Drei Rennen nach dem verpatzten Phoenix-Abflug hat Palou 2 Siege und einen zweiten Platz geholt. 134 Punkte fehlen noch bis zur Spitze, aber der Rhythmus ist der alte. „Wir haben uns nach der Katastrophe nicht versteckt, sondern die Hausaufgaben in drei Nächten gemacht. Long Beach wird wieder ein offenes Blatt – und diesmal stehen wir mit besserer Reifenplanung da.“
Die Botschaft an die Konkurrenz: Auch wenn das Ergebnis glatt wirkt, schmeckt der Champagner nach 90 Runden Kampf. Und wer ihn schlagen will, muss nicht nur schneller sein – sondern auch das Glück haben, dass Palous Pokerspiel mal schiefgeht. Sonst bleibt die IndyCar-Saison 2026 eine spanische Erzählung.
