Palicka nennt abstiegskampf titeljagd – wetzlar zittert vor dem kellerduell
Andreas Palicka spricht vom Klassenerhalt als „Titel“, während die HSG Wetzlar mit nur acht Punkten auf dem letzten Tabellenplatz feststeckt. Der schwedische Torwart-Star, erst im Februar nach Hessen gekommen, will heute im Kellerduell gegen GWD Minden den Befreiungsschlag liefern.
Palicka sieht vorteil in seiner kurzen betriebsblindheit
„Ich blicke ein bisschen anders auf die Situation“, sagt der 39-Jährige im Vereinsinterview. „Vielleicht ist das sogar ein Vorteil.“ Seine Karriere verlief bisher zwischen Champions-League-Siegen und WM-Medaillen – nun steht er vor einer Aufgabe, die sich nicht in Silber oder Gold messen lässt, sondern in reiner Existenz.
Die Zahlen sind gnadenlos: 18. Platz, 8:40 Punkte, nur ein Zähler aus den ersten drei Partien mit Palicka zwischen den Pfosten. Dennoch: „Unser Titel heißt Klassenerhalt“, betont der Weltmeister von 2022. Er redet nicht vom „Kampf ums Überleben“, sondern von der „Jagd auf die Zitterpartie“. Denn wer in Wetzlar denkt, hier gehe es nur um Abstiegsangst, hat den Ex-Kieler unterschätzt.

Minden-auswärtsspiel als mentale zündschnur
Das Hinspiel ist Palickas Munition. 34:26 war’s damals, Wetzlar warf die Ostwestfalen förmlich aus der Halle. „Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, ein Spiel zu dominieren“, erinnert er sich. Der Ausrutscher gegen MT Melsungen (25:30) kurz darauf schmerzt noch nach. „Die Leistung lag unter unserem Niveau, nicht nur spielerisch, sondern in dem, was wir von uns erwarten.“
Seit Tagen arbeitet der Kader an der Kopfsache. Palicka redet nicht von Taktikbrettern, sondern von „Körpersprache in kritischen Momenten“. Seine Botschaft: Keine Angst vor der Angst. Stattdessen: „Alle Spieler müssen das Beste aus sich herausholen – so wie in dem Duell in der Hinrunde.“
19 Uhr, Minden-Arena, 3.500 Zuschauer werden erwartet. Für Wetzlar geht es nicht um drei Punkte, sondern um die letzte Röhre der Hoffnung. Palicka kennt die Situation aus der zweiten schwedischen Liga, als er mit Lugi HF den Klassenerhalt sicherte. „Ich war 20 Jahre Profi, und jedes Spiel war ein Muss-Spiel. Das darf uns nicht belasten – es muss uns antreiben.“
Verlieren und der Vorsprung auf den Relegationsplatz schrumpft auf zwei Zähler. Gewinnen und Wetzland atmet auf. Palicka packt seine Koffer nicht, er packt seine Handschuhe aus. Für ihn ist das kein Abstiegsendspiel. Es ist das Finale um einen Titel – nur heißt er diesmal Klassenerhalt. Und der ist in Wetzlar so viel wert wie jeder Pokal.
