Ouédraogo löst lachkrämpfe aus und schießt sich ins wm-herz
Assan Ouédraogo ist noch keine Stunde in Winston-Salem und schon der gefeierte Clown der Nationalelf. Die DFB-Medienabteilung musste ihn förmlich aus Marbella zerren – Resultat: eine Pressekonferenz mit mehr Gags als manche Comedy-Show. David Raum vergrub sein strahlendes Gesicht mehrmals in den Händen, weil er nicht mehr konnte vor Lachen.
„Ich war unfassbar am chillen“ – so klingt echter ouédraogo
„Ich lag auf der Liege, war unfassbar am Chillen“, erzählte der 20-Jährige und legte los, wie ein Kumpel in der U-Bahn. Julian Nagelsmanns erster Satz angeblich: „Hast du Alkohol getrunken?“ Antwort Ouédraogo, trocken: „Dabei trinke ich doch gar keinen.“ Die Journalisten brachen weg. Die Schwester glaubte ihm übrigens auch nicht, als er anrief – zu surreal kam der WM-Last-Minute-Call rüber.
Die Ironie: Noch vor sechs Monaten feierte er ein Traumdebüt gegen die Slowakei, 6:0, eigenes Tor, Sturm der Begeisterung. Dann wieder Rückschläge. Knie. Oberschenkel. RB Leipzig, 25 Pflichtspiele in zwei Jahren. Sportärzte hatten schon fast die Schere nach ihm ausgefahren. Stattdessen jetzt: Südafrika-Marketingtour, Umweg über Frankfurt, Ankunft in North Carolina, Sprung in den Kader – und der Satz, der Nagelsmanns Entscheidung untermauert: „Ich bin voll im Saft.“

Titel? er kennt das spiel, nur ist das hier „mal 15“
Er weiß, wie sich Gold anfühlt. U17-Europameister, U17-Weltmeister – schon damals war er der technische Wirbelwind. „Aber das kann man ja eigentlich gar nicht vergleichen mit dem, was hier abgeht. Das ist das Gleiche mal 15“, sagt er und macht dabei eine weite Armgestik, als wolle er das Stadion umarmen. Der WM-Titel wäre „das Krasseste, was man holen kann, das Maximum“. Keine Floskel, ehrliche Begeisterung eines Jungen, der sich die Nase an jedem Verletzungsdrama gestoßen hat.
David Raum nickt nebenan. Er erzählt, Ouédraogo sei „gut erzogen, ruhig, hat Manieren“, ein Typ, der sich sofort einbürgert. Und trotzdem steckt in ihm dieser „unberechenbare Freestyler“, wie er sich selbst nennt. Ein bisschen Neymar, ein bisschen Havertz, dazu ein Schuss Ruhrpott-Charme – das Cocktailrezept für Publikumsliebling.
Als die beiden den Saal über den Nebeneingang verlassen, bleiben sie kurz am Getränkeautomaten hängen. Ouédraogo zieht sich ein blaues Isodrink, gönnt sich einen Schluck, grinst Raum an: „Jetzt geht’s ab, Alter.“ Die Kamera draußen fängt alles ein. Kein PR-Sprech, nur pure Vorfreude. Und vielleicht genau deshalb glauben ihm alle, dass er trotz fehlender Spielpraxis eine echte Waffe für Deutschland sein kann. Die WM startet in fünf Tagen. Ouédraogo ist angekommen – und er hat noch nicht mal sein Gepäck ausgepackt.
