Österreich rebaut sich im handball-schnelltempo: romero lässt euro-stars zu hause

Das Erfolgserlebnis gegen Serbien ist gerade drei Wochen alt, da schon der nächste Paukenschlag: Teamchef Iker Romero lässt vier etablierte Leistungsträger zu Hause und lotet in Bregenz das neue Österreich aus. Der Grund: Nach dem EM-Achtelfinal-Einzug zählt nur noch die WM-Playoff-Tickets – und dafür braucht es frisches Blut.

Romero setzt auf reset statt routine

Der Spanier, seit Dezember 2023 im Amt, schickt 17 Akteure auf die Platte, darunter mit Nico Sager und Clemens Möstl zwei Debütanten. Michael Miskovez (Oberkörper), Sebastian Frimmel (Kreuzband), Janko Bozovic und Boris Zivkovic fehlen – kein Versehen, sondern klare Kalkulation. „Wir wollen wissen, wie tief der Kader wirklich ist“, sagt Romero im Gespräch mit der APA. Die Antwort liefert sich der 43-Jährige selbst: 17 Trainingseinheiten in fünf Tagen, Videoanalysen bis 22 Uhr, kein Tag ohne Spielform.

Die Methode hat System. Bei der EURO 2026 in Deutschland will Österreich nicht wieder wie 2024 in die Tiefe schauen, als man nach der Vorrunde die Koffer packte. Der 26:23-Sieg gegen Serbien bescherte zwar das Ticket für die KO-Runde, aber auch die Erkenntnis: Ohne Tempo von außen wird es eng. Deshalb jetzt der Blick auf Sager, 19, linkshändig, 1,96 m groß – ein Profil, das in der aktuellen Mannschaft niemand hat.

Die neue dna: schneller, länger, aggressiver

Die neue dna: schneller, länger, aggressiver

Intern lautet die Devise „3.500 Schritte pro Spielabschnitt“. Gemessen wird via GPS-Harness, ausgewertet am Laptop von Co-Trainer Felix-Sven Fröhlich. Die Daten zeigen: Österreich lag bei der EURO 2024 mit 3.200 Schritten unter dem EURO-Schnitt der Top-8-Teams. „Das klingt nach Marginalie, sind aber 15 Prozent mehr Laufleistung“, erklärt Athletikcoach Philipp Hager. Die Spieler spüren es. „Wir rennen uns gegenseitig über den Haufen, um den Platz zu bekommen“, sagt Lukas Herburger, einer von nur drei Berliner Profis im Kader.

Die Frage ist nicht, ob sich das System etabliert – sondern wie schnell. Denn der Playoff-Gegner für die WM 2025 in Katar steht bereits fest: Tschechien, ein Rival, der Österreich zuletzt zweimal in Folge schlug. Spiel eins: 8. Mai in Prag. Spiel zwei: 12. Mai, voraussichtlich in Graz. Zwischen den Partien nur 96 Stunden. „Wer da nicht zwei Mal Vollgas gibt, fliegt raus“, sagt Romero. Keine Warnung, nur Realismus.

Die Zukunft beginnt also jetzt, im Marchfeld von Bregenz, wo die neue Halle am Fluss bereits 3.000 Fans fasst. Tickets für das Testspiel gegen die Schweiz am 20. März sind restlos ausverkauft. Ein Ort, der einst Segelboote barg, soll nun Handball-Geschichte schreiben. Und vielleicht ist es genau diese Konstellation – ein knappes Budget, ein junger Kader, ein verschärfter Zeitplan –, die Österreich endlich aus dem Mittelmaß katapultiert. Romero zumindest lässt keinen Zweifel: „Wir bauen keine Ersatzmannschaft. Wir bauen die, die 2026 gewinnt.“