Osnabrügge freigesprochen – dfb hofft auf schnelle klärung im steuerstreit
Freispruch für ex-dfb-schatzmeister osnabrügge
Das Landgericht Frankfurt hat den ehemaligen DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge (55) von allen Vorwürfen der Steuerhinterziehung freigesprochen. Dieser Freispruch hat weitreichende Folgen für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die anhaltenden Steuerverfahren. DFB-Präsident Bernd Neuendorf (64) und seine Verantwortlichen erwarten nun eine zügige Entscheidung in den vom Finanzamt geführten Verfahren und die Rückzahlung von insgesamt 31 Millionen Euro.
Der hintergrund der vorwürfe
Osnabrügge war vorgeworfen worden, durch eine fehlerhafte Zuordnung von Einnahmen aus der Bandenwerbung bei Heim-Länderspielen in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt rund 3,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Diese Vorwürfe führten auch zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit des DFB für die genannten Jahre. Der DFB hatte daraufhin vorsorglich eine Rücklage von knapp 31 Millionen Euro gebildet und an das Finanzamt überwiesen, um Zinsen zu vermeiden.
Kritik an der staatsanwaltschaft
Die Vorsitzende Richterin Eva-Marie Distler übte scharfe Kritik an der Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft, insbesondere an der im Oktober 2020 durchgeführten Razzia in der alten DFB-Zentrale. Bei dieser Aktion waren rund 200 Polizisten, teilweise schwer bewaffnet, im Einsatz und hatten eine große Anzahl von Aktenordnern sichergestellt. Richterin Distler betonte, dass der Freispruch „eindeutig, klar und ohne jede Einschränkung“ sei und entschuldigte sich für die lange Dauer des Verfahrens. Sie stellte fest, dass Stephan Osnabrügge zum „Spielball zwischen DFB und Finanzbehörden“ geworden sei.
Reaktionen der beschuldigten
Osnabrügge selbst äußerte sich kritisch über die Staatsanwaltschaft: „Wie schnell man als Unschuldiger in so eine Situation geraten kann, in Deutschland, im 21. Jahrhundert, ist dramatisch. Das Ganze hätte nie passieren dürfen.“ Auch die ehemaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel (64) und Generalsekretär Friedrich Curtius (49) waren Beschuldigte in dem Verfahren. Beide ließen ihre Verfahren gegen Zahlung von 80.000 bzw. 20.000 Euro einstellen und gelten nun ebenfalls als rehabilitiert.
Der kampf um weitere millionen
Der DFB kämpft weiterhin um rund 23 Millionen Euro, die im Zusammenhang mit der Sommermärchen-Affäre um die Heim-WM 2006 durch die Aberkennung der Gemeinnützigkeit verloren gingen. Hintergrund ist die fehlerhafte Deklaration einer Zahlung von 6,7 Millionen Euro an die FIFA als Betriebsausgabe, wodurch dem Staat etwa 2,7 Millionen Euro an Steuern entgingen. Richterin Distler verhängte in diesem Zusammenhang eine Strafe von 110.000 Euro.
Auswirkungen auf das verfahren vor dem finanzgericht kassel
Dieses Urteil könnte Signalwirkung auf das ausstehende Urteil des Finanzgerichts Kassel haben, wo der DFB gegen den Verlust der Gemeinnützigkeit im Jahr 2006 klagt. Der DFB hat Revision gegen das Urteil des Landgerichts eingelegt und strebt eine Klärung vor dem Bundesgerichtshof (BGH) an, um seine Chancen auf die Rückforderung der 23 Millionen Euro inklusive Zinsen zu wahren. Der Ausgang dieser Verfahren ist für die finanzielle Zukunft des DFB von großer Bedeutung.
