Oslo peilt: dsv-damen wollen die nullnummer verhindern

Die Schneekanone knallt am Holmenkollen, und Deutschland schickt seine letzte Hoffnung ins Rennen. Vanessa Voigt startet heute als 16. in die Verfolgung – 83 Sekunden Rückstand auf Hanna Öberg, aber nur einen einzigen Gedanken: „Endlich Punkte, endlich ein Podest, endlich ein Sieg!“

Ein saisonfinale, das nach bitterem winter schmeckt

63 Rennen, null Siege, sieben Mal Treppchen – das ist die erschreckende Bilanz des Deutschen Skiverbandes vor dem letzten Rennwochenende. Uschi Disl sprach klartext: „Es war nicht die Saison für die Deutschen.“ Ihr Satz hallt durch das Lager, denn er klingt wie ein Todesstoß für die Traditionstruppe.

Voigt, selbst 24 Jahre alt und erstmals als Führungskraft gefordert, versucht Gelassenheit zu mimen. Doch die Zähler auf der Anzeigetafel lügen nicht. 1:23,8 Minuten sind in der Biathlon-Welt eine halbe Ewigkeit. Sie weiß: Fehlerfrei schießen reicht nicht; sie muss laufen, als würde der Boden brennen.

Die kanonen von nebenan feuern auch

Die kanonen von nebenan feuern auch

Neben Öberg lauern Linn Persson und Dorothea Wierer – allesamt schon diesen Winter auf dem Podest gestanden. Für sie geht es um Prestige, für die DSV-Damen um bloße Existenz. Die interne Analyse spricht von „fehlender Leichtigkeit“, was in der Sprache der Trainer bedeutet: Die Nerven liegen blank.

Die Staffel will sich wenigstens rehabilitieren, doch selbst da fehlt die klare Führung. Franziska Preuß fällt aus, Janina Hettich-Walz ringt mit der Form. Die Verfolgung der Männer und die Massenstarts am Sonntag? Letzte Chance, um nicht als erste deutsche Biathlon-Generation seit 1992 komplett sieglos in die Geschichtsbücher zu wandern.

So verfolgt man den kampf gegen die eigene geschichte

So verfolgt man den kampf gegen die eigene geschichte

ZDF und Eurosport übertragen ab 13.45 Uhr live, parallel flimmern die Streams bei sportstudio.de, Joyn und DAZN. Wer nicht vor dem Bildschirm hockt, jagt die Zahlen im Live-Ticker von SPORT1 – jede Schießserie wird dort zur kleinen Zitterpartie.

Die Athleten selbst haben den Medienrummel abgehakt. Sie sprechen lieber über Mikro-Schwünge, Pulsbänder und die richtige Wachs-Mischung. Dabei wissen sie: Am Ende zählt nur, ob das Zielband für sie oder gegen sie entscheidet.

Wenn um 15.15 Uhr der letzte Schuss fällt, ist die Saison gerettet – oder endgültig zerbrochen. 63 Rennen ohne Erfolg wären kein Statistik-Ausreißer mehr, sondern ein Mahnmal. Und Voigt? Sie will einfach nur durchs Ziel. Alles andere wäre ein Schritt aus dem Schatten, in dem deutsche Biathletinnen diesen Winter verharrt haben.