Ortells wirft sich als arrasate-beerdiger vor – mallorca dreht sich im kreis
Mehr als vier Wochen nach der Trennung von Jagoba Arrasate steht Mallorcas Sportdirektor Pablo Ortells plötzlich allein am Pranger. „Ich habe den Präsidenten angerufen und gesagt, dass der Zeitpunkt für einen Trainerwechsel gekommen ist“, sagte er am Montagabend bei Onda Cero. Ein Satz, der auf der Insel für Stirnrunzeln sorgt – und die ohnehin brisante Lage vor dem Duell mit Real Madrid weiter anheizt.
Die mär vom amerikanischen sündenbock ist geplatzt
Bislang galt Andy Kohlberg, der in den USA residierende Eigentümer, als Drahtzieher. Die Bilder nach der 0:1-Pleite gegen Betis und der 0:3-Klatsche bei Celta hatten eindeutig gezeigt: Das Team war leblos, Arrasate gelaufen. Doch wer wollte ihn wirklich weg haben? Intern hieß es, Ortells habe sich für eine vorzeitige Trennung ausgesprochen, während Kohlberg den Befehl von oben gab. Nun behauptet der Sportdirektor, die Initiative allein ergriffen zu haben – und reißt damit neue Fragen auf.
Warum brauchte der Klub vier Tage, um mit Demichelis einen Nachfolger zu präsentieren? Warum musste Interimstrainer Gustavo Siviero gegen Real Sociedad improvisieren? Und warum fehlte ein Plan B, obwohl die Defensive seit Wochen wirkte, als stünde sie auf verbranntem Geld? Die Antworten schwanken zwischen Kompetenzgerangel und Planlosigkeit.

Kein schutzraum mehr für ortells
Die Insel-Anhänger hatten ohnehin den Wintertransfer verflucht. Kamen doch lediglich die beiden Flügelflitzer Kalumba und Luvumbo – ein Tropfen auf dem heißen Stein, der die zentralen Abwehrprobleme nicht löste. Wer erinnert sich nicht an die 89. Minute gegen Alavés, als Mallorca in fünf Minuten zwei Punkte verschenkte? Genau diese Lücken hätte Arrasate wohl auch nicht kitten können, doch die Art und Weise seines Abschieds nagt bis heute an der Glaubwürdigkeit der Vereinsspitze.
Mit jedem Interview schiebt Ortells mehr Verantwortung auf sich selbst. Die Fans fragen sich lautstark, ob sein Rückgrat lang genug ist, um eine Mannschaft aus dem freien Fall zu holen, die nur zwei Siege aus den letzten zwölf Spielen zählte. Die Statistik spricht Bände: Elf Spiele, neun Gegentore nach Standards, nur zwölf geschossene Tore. Ein Torverhältnis, das selbst in der Segunda División für Schwindel sorgt.

Der countdown läuft
Gegen Real Madrid droht dem Tabellen-15. die nächste Demontage. Die Königlichen kommen mit 14 Toren in den letzten fünf Partien und einer Bellingham-Form, die an Maradona erinnert. Sollte Mallorca erneut untergehen, dürfte die Wut nicht mehr nur auf Kohlberg abprallen, sondern sich auf Ortells konzentrieren – den Mann, der behauptet, den Stecker gezogen zu haben. Dann nämlich wäre nicht nur ein Trainerwechsel das Problem, sondern eine sportliche Leitung, die ihre eigene Story nicht mehr zusammenbekommt.
Die Insel verlangt Antworten, nicht neue Schuldzuweisungen. Die Uhr tickt. Und mit jedem Tick wird das Vertrauen in die Führungsriege kleiner – genau wie der Punktabstand zum Abstieg.
