Opel schnürt den handschuh: ab 2026/27 mit 816-ps-bolide in der formel e

Kaum verflogen die Geräusche um Madrid, schon donnert die nächste Bombe. Opel steigt ein. Nicht irgendwann, sondern in der Saison 2026/27, mit dem neuen GEN4-Renner, der 816 PS mobilisiert – 340 mehr als jeder aktuelle Boliden der Serie.

Der vertrag ist unterschrieben, das kribbeln bleibt

Florian Huettl, CEO der Rüsselsheimer, setzte am Samstag unmittelbar vor dem E-Prix in Madrid seinen Namen unter ein Papier, das vier Jahre lang bindet. Neben ihm: Jeff Dodds, Chef der elektrischen Königsklasse. Die Botschaft war klar – der Stellantis-Konzern schickt nach dem Abgang von DS Automobiles und Maserati nun seine Volksmarke ins Rennen, um die deutsche Flagge in der weltweit wichtigsten E-Rennserie hochzuhalten.

Doch warum jetzt? Die Antwort steckt im Kalender. Die GEN4-Technologie, die ab 2026/27 debütiert, verspricht den größten Leistungssprung der 13-jährigen Serie: Allrad, 600 kW Spitzenleistung, bislang unbekannte Energierückgewinnung. Ein Regelwerk, das Ingenieure träumen lässt und Marketingchefs Herzklopfen beschert.

Alles schon angerichtet in rüsselsheim

Alles schon angerichtet in rüsselsheim

Während in Madrid die Fahrer noch über die provisorische Stadtbahn-Kehre brettern, arbeitet hinter den Kulissen bereits ein vollständiges Team. Jörg Schrott, Motorsportdirektor und designierter Teamboss, hat Opel GSE Formula E Team getauft – GSE steht für Grand Sport Electric, also genau die DNA, mit der Opel seit 2021 im ADAC Opel Electric Rally Cup Erfolge sammelt.

Ein Dutzend Ingenieure, Strategen und Operativen strickt an Aerodynamik, Software und Akku-Kühlung. Die Entwicklung läuft parallel zum Serienprojekt BEV-Plattform STLA Small – ein Synergieschachzug, der Entwicklungskosten spart und Daten für die Straße liefert. Denn eines ist klar: Die Formel E ist für Opel kein Lippenbekenntnis, sondern Hochgeschwindigkeits-Forschungslabor.

Die Fans reagierten euphorisch. Innerhalb von Minuten nach der Pressekonferenz schossen Hashtags wie #OpelFE und #RüsselsheimRacing durch die sozialen Netzwerke. Die Formel E selbst erhielt einen Kursschub: Ein deutscher Hersteller mehr bedeutet mehr TV-Präsenz, mehr Werbegelder, mehr Druck auf die Konkurrenz aus Stuttgart, München und Ingolstadt.

Markenkohäsion statt markenchaos

Markenkohäsion statt markenchaos

Kurios: Während DS und Maserati die Segel streichen, flattert jetzt das blitzende Opel-Logo im Fahrerlager. Stellantis nutzt die Serie als Rotationsprinzip – wer fehlt, wird ersetzt. Doch im Gegensatz zu den Premium-Ablegern bietet Opel ein massentaugliches Image, das sich mit Elektromobilität von morgen schmücken will. Ein Blick auf die Verkaufszahlen zeigt, warum das strategisch ist: 2025 liegt der Anteil batterieelektrischer Opel-Modelle in Deutschland bei 14 Prozent, Tendenz steil.

Die Rechnung geht auf, wenn die Technik hält. Die GEN4-Autos werden zwar robuster, aber auch teurer. Budgetdeckel hin oder her – Entwicklungskosten explodieren, wenn man mitspielen will. Opel verspricht, „vernünftig“ zu investieren. Heißt: Kein Geld verbrennen, aber auch keine halben Sachen machen.

Ein erster Test ist für September auf dem spanischen Circuito del Jarama geplant. Dort will Schrott seine Fahrer – Namen werden erst im Frühjahr 2026 genannt – mit dem 900-Kilo-Leichtgewicht warmfahren. Bis dahin bleibt nur eine Gewissheit: Wenn 2027 die Startampel auf Grün springt, steht ein deutscher Hersteller wieder in der ersten Reihe – und liefert sich ein PS-Duell mit Porsche, Mercedes-Customer-Teams und dem neuen Audi-Konkurrenten.

Der Countdown läuft. 18 Monate noch, dann heißt es: Strom an, Vollgas, Rüsselsheim.