Olympiasieger stöck: wie ein ns-held nach 1945 die karriereleiter raufog
Gerhard Stöck war 25 Jahre lang Hamburgs Sportdirektor, zweimal Chef de Mission der Bundesrepublik – und bis heute ein Mythos, den die Stadt selbst erschaffen hat. Die Wahrheit: Seine goldene Olympia-Medaille von 1936 war ein PR-Coup der Nazis, und seine saubere Weste nach 1945 eine Fälschung.
Der tag, an dem der wind ihm gold bescherte
6. August 1936, Berlin. Wolken hangen tief über dem Olympiastadion, der Wind peitscht über die Sektoren. Stöck wartet in der Anlaufbahn, 1,89 m, blond, blauäugig – die lebende Reklame für die „arische Rasse“. Im fünften Versuch schleudert er den Speer flach wie ein Messer, so flach, dass die Bö ihn nicht trifft. 71,84 m, niemand kommt ihm näher. Die NS-Propaganda jubelt, Hitler klatscht. Für die Berliner Sportchefs ist Stöck ab sofort „unser Mann“.
Keiner ahnt, dass er schon zwei Jahre zuvor in die SA eingetreten ist. Die Mitgliedschaft wird erst nach seinem Tod 1985 entdeckt – zusammen mit der Tatsache, dass er 1937 in die NSDAP eintrat und bis zum Sturmbannführer aufstieg. Im Fragebogen der Briten 1946 schreibt er drei Sätze dazu: „Ich war nie politisch. Ich habe niemandem geschadet. Ich war Idealist im Sport.“

Die akten lügen nicht – aber stöck schon
Das Berufungskomitee in Hamburg glaubt ihm 1949. Es folgt die steilste Funktionärskarriere der Nachkriegszeit: Leiter des Sportamts 1950, Delegationschef 1956 und 1960, geadelt mit dem Gerhard-Stöck-Preis. Der Preis existiert bis 2006, dann treten die Rugby-Frauen von St. Pauli zurück – weil sie die Akten gelesen haben. Die Stadt schafft die Auszeichnung still und heimlich ab.
Die Busse-Brüder, SPD-Mann Paul und Journalist Peter, hatten schon 2011 nachgerechnet: Stöck fälschte sogar sein Geburtsdatum, um Spuren zu verwischen. Seine SA-Karriere verschwieg er vollständig. Die Briten hatten ihn 1946 noch als „nicht entlastet“ eingestuft – bis die Hamburger Selbstverwaltung einlenkte.
Die Ironie: Stöck starb als geehrter Bürger, mit Ehrengrab und Straßenschild. Die Stadt schrieb auf seinem Steuer: „Er war stets ein Gegner des Nationalsozialismus.“ 40 Jahre später korrigiert dieselbe Stadt ihre eigenen Archive – und löscht sein Porträt aus dem Rathaus.
Die Summe der Lügen: 71,84 m Sportglanz, 25 Jahre Amtszeit, ein Preis, der nach ihm benannt war, und ein Mythos, der bis heute in Vereinschroniken nachklingt. Die Bilanz der Wahrheit: ein Eintritt 1933, ein Parteibuch 1937, ein Rang, den er nie abstreifte – und eine Nachwelt, die endlich die Rechnung begleicht.
