Olympiasieger cassarà: heimliche duschkamera kostet ihn jetzt das ehrenamt
Andrea Cassarà muss für zwölf Monate hinter Gitter – und für immer aus dem Schutz von Minderjährigen verschwinden. Das Urteil der Berufungskammer in Brescia zieht einen tiefen Schritt durch die Faszination Fechten.
Die Kammer bestätigte am Mittwoch die Schuldzuweisung wegen versuchter Herstellung pädokrimineller Aufnahmen, stufte die Sache aber als „weniger schwerwiegend“ ein. Das Ergebnis: ein Jahr Freiheitsstrafe plus 4.000 Euro Geldstruppe. Der ehemalige Florett-Weltmeister entgeht damit drei Monaten gegenüber dem ersten Urteil, doch die Nebenfolge trifft härter: ein lebenslanges Berufsverbot als Vormund, Betreuer oder Verwalter – ein Schlag gegen jeden Trainer, der mit Jugend arbeitet.

Von der piste in den gerichtssaal
Die Geschichte beginnt im Sommer 2023 auf einem Sportplatz in der Lombardei. Zwei 16-jährige Athletinnen duschen nach dem Training, ahnen nicht, dass eine Handylinse durch die Ritze der Umkleide spaht. Eine Elternanzeige bringt die Ermittlungen ins Rollen, die Polizei sichert Videos und Bilder. Cassarà bestreitet die Absicht, Material zu verbreiten; die Staatsanwalt wirft ihm vor, genau das vorhaben zu wollen.
Im ersten Verfahren spricht ihn das Landgericht Mailand der „versuchten illegalen Beeinträchtigung der Privatsphäre“ schuldig – eine reine Datenschutz-Sparte. Die Berufung aber hebt die Anklage auf die schwerere Variante hoch. Richter erkennen zwar „allgemeine Milderungsgründe“, lassen aber keinen Zweifel: Der Ex-Weltmeister handelte vorsätzlich und nutzte seine Autorität im Sportzentrum aus.
Für die Föderazione Italiana Scherma ein Albtraum. Cassarà war Gesicht von Sponsoren, hatte Kids-Camps geleitet. Die Verbandsspitze distanzierte sich sofort, strich seine Auftritte aus dem Kalender. Interne Prüfungen laufen, doch der Image-Schaden ist längst da. Die Kommentarspalten der Gazzetta schreien nach „Null-Toleranz“, während Fans auf Twitter die Medaillen der Vergangenheit mit Trauer-Emojis überhäufen.
Rechtsanwalt Luca Ferrario kündigt Revision beim Kassationsgericht an. „Das Urteil ist nicht rechtskräftig“, betont er. Das klingt nach Hoffnung, doch die gerichtliche Begründung liegt schwarz auf weiß: „Gefährdung Minderjähriger durch audiovisuelle Produktion“. Solche Formulierungen lassen selbst einen zweifachen Olympia-Champion nicht mehr unberührt.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die fragilen Machtverhältnisse im Nachwuchsbereich. Wer Gold trägt, bekommt Schlüssel für Umkleiden, Duschen, Hotels. Die Devise ‚Medaille = Moral‘ gilt nicht automatisch. Die Richter haben ein Exempel statuiert – und gleichzeitig die nächste Diskussion entfacht: Wie viel Kontrolle braucht ein Verband, der seine Helden auf Podeste stellt?
Cassarà selbst schweigt seit Wochen. Seine letzte öffentliche Zeile stammt aus einem Sponsoring-Post, in dem er „Fair Play“ predigt. Ironie der Geschichte: Das Video wurde inzwischen gelöscht. Die Server der Staatsanwaltschaft speichern dagegen weiter – und ein einstiger Champion wartet auf das endgültige Urteil, das ihn aus dem Ehrenamt katapultieren könnte, für den Rest seines Lebens.
