Olympia-bewerbung: witt fordert deutschland zur tat auf!
- Die stimmungsumschwung: warum das „ja“ heute lauter klingt
- Mehr als nur ein fest: der effekt einer olympia-bewerbung
- Vorbild deutschland: eine sportnation mit globalem stellenwert
- Die suche nach neuen helden: warum vorbilder fehlen
- Mehr als nur likes: die bedeutung von leistung und werten
- Die zukunft des deutschen sports: ein appell an die politik
Die Debatte um eine deutsche Olympia-Bewerbung brodelt weiter – und eine Stimme schwingt besonders Gewicht: Katarina Witt. Die Eiskunstlauf-Legende, mehrfache Olympiasiegerin und engagierte Fürsprecherin des deutschen Sports, spricht im Exklusivgespräch über die Chancen, die Herausforderungen und die Bedeutung einer solchen Bewerbung für unser Land.
Die stimmungsumschwung: warum das „ja“ heute lauter klingt
Die jüngsten Referenden in München, im Rhein-Ruhr-Gebiet und in Kiel stimmen Witt optimistisch. „Die Ergebnisse sind wirklich positive Vorzeichen“, sagt sie. „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen mitgenommen werden und es eine gemeinsame Entscheidung, ein gemeinsames ‚Ja‘ ist.“ Der Erfolg der Winterspiele in Italien im Herzen Europas, die viele deutsche Fans begeisterten, habe einen wichtigen Impuls gesetzt. „Viele sagen jetzt: Wir könnten oder sollten die Spiele sogar ausrichten.“
Berlin verzichtet indes auf eine Bürgerbefragung. Witt zeigt Verständnis: „Man kann es nie allen recht machen. Doch Berlin ist eine Sportstadt, in der bei jeder Großveranstaltung Begeisterung und Zusammenhalt herrschten.“

Mehr als nur ein fest: der effekt einer olympia-bewerbung
Für Witt geht es bei einer Olympia-Bewerbung um weit mehr als nur die Ausrichtung eines Sportereignisses. „Bereits die Befragungen haben Olympia und den Sport wieder mehr in den Fokus gerückt. Eine tatsächliche Bewerbung würde das noch unterstreichen.“ Der wichtigste Effekt sei ihr zufolge: „Dass wir so den Willen zur Leistungsbereitschaft zeigen und alle mitreißen. Eine solche Bewerbung lässt die Menschen zusammenwachsen – deshalb brauchen wir Olympia.“
Sie erinnert an ihre eigene Erfahrung mit der Bewerbung für München 2018, die letztlich gegen Pyeongchang verloren ging. Das Verfahren habe sich seitdem grundlegend gewandelt, nicht zuletzt dank Thomas Bach als IOC-Präsident. „Es geht um noch mehr Nachhaltigkeit und weniger Superlative. Das IOC will spüren, dass ein Land die Spiele wirklich möchte und sie gemeinsam als nationale Leistung präsentieren kann.“

Vorbild deutschland: eine sportnation mit globalem stellenwert
Witt ist überzeugt: „Als Sportnation haben wir mit Deutschland weiterhin einen großartigen Stellenwert in der Welt.“ Die Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044 sollte keine Jahreszahl ausschließen. „Bestimmte Jahre auszugrenzen wäre ein Fehler. Natürlich hat das Jahr ’36 eine schreckliche Bedeutung, aber danach wären 100 Jahre vergangen – eine Chance, zu zeigen, wofür wir stehen.“
Die suche nach neuen helden: warum vorbilder fehlen
Die Zeiten, in denen Namen wie Boris Becker, Steffi Graf oder Michael Schumacher ganze Nationen in ihren Bann zogen, scheinen vorbei. Witt bedauert, dass viele Olympiasieger und Weltmeister heute kaum noch bekannt sind. „Die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit mit Hunderten von TV-, Internet- und Social-Media-Kanälen und die immer kürzere Aufmerksamkeitsspanne machen es den Sportstars schwer, sich langfristig zu etablieren.“
Sie selbst erlebt ihren Status noch immer hautnah: „Ich war kürzlich in Hamburg mal richtig ausgiebig shoppen und wurde in jedem Laden auf meine ‚Carmen‘-Kür angesprochen – fast 40 Jahre später!“ Das sei das schönste Kompliment, das sie sich vorstellen könne.
Mehr als nur likes: die bedeutung von leistung und werten
Witt sieht eine Entwicklung, die sie besorgt: „Die fetten Jahre sind einfach vorbei in allen Richtungen.“ Sie fordert eine stärkere Fokussierung auf Leistung, Fairplay und Miteinander. „Es gibt zu viel Belanglosigkeit, die viel zu viel Aufmerksamkeit bekommt.“ Stattdessen sollten Jugendliche Vorbilder suchen, die für Substanz und Engagement stehen.
„Sportler sind Vorbilder. Daher sollten wir mehr Sichtbarkeit für Athleten schaffen, die Großartiges erreichen.“
Die zukunft des deutschen sports: ein appell an die politik
Witt sieht die Ernennung einer Staatsministerin für Sport und Ehrenamt als positives Signal. „Sport gehört von Kindesbeinen an in die Gesellschaft.“ Sie plädiert für mehr Bewegung im Alltag und bessere Rahmenbedingungen für Spitzensportler. „Die Sporthilfe tut schon viel, aber die Vereine und Verbände müssen die notwendigen Strukturen bereitstellen.“
Und schließlich mahnt sie zur Einheit: „Am Ende sind wir Team Deutschland. Es kommt darauf an, dass alle Regionen nach einer Entscheidung des DOSB an einem Strang ziehen und sich nicht enttäuscht fühlen, sondern gestärkt werden.“
Die deutsche Eiskunstlauf-Mannschaft, angeführt von den Weltmeistern Hase und Volodin, wird weiterhin mit Leidenschaft und Engagement für Deutschland kämpfen. Doch die wahre Herausforderung gilt der gesamten Sportnation: Es gilt, den Geist des olympischen Gedankens wiederzubeleben und die Freude an der Leistung neu zu entfachen. Der Schlüssel liegt in der Einheit, der Wertschätzung und dem unbedingten Willen zum Erfolg.
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