Olympia 2036: wer entscheidet über deutschlands bewerbung?

Baden-Baden – Nach dem klaren Nein der Hamburger Bevölkerung steht Deutschland vor einer wichtigen Entscheidung: Soll Berlin, München oder die Region Köln/Rhein-Ruhr sich um die Olympischen Sommerspiele bewerben? Und wer entscheidet darüber? Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat die Antwort gegeben – und sie wirft Fragen auf.

Ein ungewöhnliches abstimmungsverfahren

Die Entscheidung, wer Deutschland bei der internationalen Bewerbung repräsentieren darf, fällt am 26. September in Baden-Baden. Doch wer genau darf mitbestimmen? Nach dem Scheitern Hamburgs, wo die Bevölkerung gegen eine Bewerbung gestimmt hatte, bleiben drei deutsche Städte im Rennen. Ursprünglich war eine breite Beteiligung des DOSB vorgesehen. Doch nun hat der Vorstand eine überraschende Kehrtwende vollzogen: Nur die sogenannten "olympischen Mitgliedsverbände" dürfen abstimmen.

Diese Gruppe umfasst 42 Verbände, darunter die 16 Landessportbünde, die 28 nichtolympischen Spitzenverbände und die 17 Verbände mit besonderen Aufgaben. Die anderen Mitglieder des DOSB, darunter viele regionale Verbände, bleiben außen vor. Ein Eingriff in die demokratischen Prozesse, so die Kritik.

Otto Fricke, der Vorstandschef des DOSB, argumentiert, dass diese Entscheidung im Einklang mit der DOSB-Satzung stehe. Paragraf 16, so Fricke, regelt, dass bei "Angelegenheiten in Verbindung mit den Olympischen Spielen" nur die olympischen Spitzenverbände stimmberechtigt sind. Eine Interpretation, die viele Sportfunktionäre überrascht hat.

Die Entscheidung ist auch deshalb brisant, weil jeder Verband nur drei Stimmen hat – unabhängig von seiner Größe. Das bedeutet, dass die olympischen Spitzenverbände eine deutlich stärkere Position haben als bisher. Leon Goretzka, der deutsche Fußballstar, wird in Baden-Baden mitwählen dürfen, ebenso die ehemalige Bahnradsportlerin Kristina Vogel.

Befangenheit und politische einflussnahme

Befangenheit und politische einflussnahme

Doch der Prozess ist nicht ohne Risiken. Die enge Vertretung der olympischen Spitzenverbände wirft Fragen nach möglichen Befangenheiten auf. Auch politische Einflussnahme ist nicht ausgeschlossen. So sitzt beispielsweise Jens-Peter Nettekoven, DOSB-Vizepräsident, auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen, wo Hendrik Wüst, ein Gesicht der Bewerbung aus Köln/Rhein-Ruhr, politisch aktiv ist.

Die Entscheidung in Baden-Baden wird nicht nur das Gesicht der deutschen Olympia-Bewerbung prägen, sondern auch die Zukunft des deutschen Sports beeinflussen. Der Wettkampf zwischen Berlin, München und Köln/Rhein-Ruhr hat gerade erst begonnen – und die Karten sind neu gemischt.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der DOSB den richtigen Weg eingeschlagen hat. Denn eines ist klar: Die deutsche Olympia-Bewerbung steht vor ihrer größten Herausforderung.