Olise trifft, kameras krachen: fotografen bei bayerns 4:3-spektakel verletzt
Michael Olise schoss den FC Bayern ins Halbfinale – und riss mit seinem Tor in der 94. Minute eine Wunde ins Stadiongeschehen. Hinter dem 4:3 gegen Real Madrid liegen zwei verletzte Pressefotografen, ein Fanlauf auf die Banden und ein neuerlicher Disziplinarfall für die Südkurve.
Was genau passierte am spielfeldrand?
Kurz nach dem 4:3 durch Olise stürmten rund 30 Anhänger die wenigen Meter von der Südtribüne bis vor die Banden. Dort standen mehrere Pressevertreter auf ihrem vorgeschriebenen Fotolauf. Ein Kollege aus München berichtet auf Instagram: „Ich wurde von hinten gerammt, fiel mit der Kamera nach vorn und lag bewusstlos.“ Erst als das Spielfeld leer war, kam er wieder zu sich. Prellungen am Rücken, Schürfwunden, ein Totalverlust der Ausrüstung – die Bilanz eines Abends, der eigentlich nur Freude bringen sollte.
Eine zweite Fotografin erlitt eine Platzwunde am Kopf. Beide wurden von Sanitätern versorgt, beide konnten die Arena auf eigenen Füßen verlassen. Die Polizei München bestätigte den Vorfall, leitete aber kein Ermittlungsverfahren ein – die Betroffenen wollten zunächst keine Anzeige erstatten.

Ultras entschuldigen sich binnen minuten
Noch während die Spieler auf dem Rasen standen, suchten laut Club Nr. 12 – der Fan-Dachorganisation – einige Beteiligte das Gespräch mit Stadionmitarbeitern. „Die Fans haben sich umgehend für die versehentlichen Verletzungen entschuldigt“, heißt es in der Stellungnahme. Der Verein habe den Dialog angenommen, die Entschuldigung gewürdigt. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack: Die Südkurve war erst im Januar wegen Pyro-Zündungen teilweise gesperrt worden, die UEFA hatte 4 000 Plätze für das Achtelfinale gegen Union SG leer gelassen. Nun droht ein neues Verfahren.
Die UEFA teilte auf Nachfrage mit, man warte zunächst den offiziellen Beobachterbericht ab. Erst danach entscheide man über mögliche Konsequenzen. Dabei steht nicht nur die Sicherheitszone vor der Kurve zur Debatte, sondern auch das generelle Konzept der Presseplätze an der Bande. Experten fordern schon länger eine flexible Absperrung, die bei Torjubeln automatisch aufstellt – ähnlich wie in der NFL.

Bayern intern: keine strafen, aber nacharbeit
Trainer Vincent Kompany zeigte sich nach dem Spiel zwiegespalten. „Wir lieben die Emotionen, aber niemand darf verletzt werden“, sagte er. Sportvorstand Max Eberl kündigte interne Gespräche an: „Wir prüfen, ob zusätzliche Ordner oder mobile Barrieren nötig sind.“ Der Klub will bis zum Halbfinal-Hinspiel Anfang Mai ein neues Sicherheitskonzept vorlegen. Die Gegner stehen noch nicht fest, die Aufmerksamkeit der UEFA aber schon.
Für die Fotografen bleibt ein financher Nachgeschmack. Die beschädigte Technik beläuft sich auf mehrere tausend Euro, eine Kamera wurde komplett zerdrückt. Der FC Bayern hat angekündigt, für Ersatz zu sorgen – eine Geste, die zumindest materielle Wunden heilt. Die Erinnerung an den Abend, an dem das Tor jubelte und die Kameras krachten, bleibt trotzdem.
