Ofc steckt im freien fall – saarbrücken wird zum retter in der not
Kickers Offenbach spielt Kreisliga-Roulette. Sieben Punkte Vorsprung auf Bayern Alzenau, sieben Wochen bis zur Entscheidung – und plötzlich schaut der Tabellen-14. der Regionalliga Südwest nach Saarbrücken, damit der 1. FC dort den Klassenerhalt klar macht. Denn wenn der FCS auf Rang 16 bleibt, rutscht nur ein Drittligist ab, und der OFC wäre auf magische Weise gerettet. So grotesk die Rechnung ist, so real ist der Schock.
Die bühne brennt, der captain fehlt
Maximilian Rossmann, Abwehrchef und Seelenverknoter, wurde am Samstag auf einer Trage in den Katakomben verschwinden. Diagnose: Patellasehnenriss, Saison vorbei. „Das Herz ist uns in die Hose gerutscht“, sagte Mark Zimmermann, der neue Coach, der seit einer Woche versucht, das sinkende Schiff zu lotsen. Ohne Rossmann droht die Defensive zu kollabieren – schon jetzt kassierte der OFC 48 Gegentore, so viel wie kein anderer oberhalb der Abstiegsränge.
Die Verletztenliste liest sich wie ein Drama in fünf Akten: Kreuzband, Syndesmose, Adduktorenabriss, wieder Kreuzband. 14 Ausfälle in 23 Spielen. Zimmermann muss mit dem Nachwuchs improvisieren, doch die Talente sind grün, und der Rasen wird immer rauer.

Plan a floppte, plan b existiert nicht
Der OFC startete mit 1,8 Millionen Euro Etat als Aufstiegsaspirant. Dann feuerte der Vorstand Manager Kuntze, trennte sich nach acht Spielen von Coach Kristjan Glibo und stellte fest: Der Kader ist auf vielen Positionen doppelt besetzt – nur nicht auf der, die Tore verhindert. Elf Zugänge im Sommer, kein Sechser mit Ballgewinn-Quote über 52 %. Die Transferstrategie: großes Pokerface, klees Blatt.
Die Fans toben trotzdem. 6.300 gegen Großaspach, dabei lag das Team zur Pause 0:3. Sie sangen „Wir stehen zu euch“ – und meinten damit die Farben, nicht die Taktik. Denn die Fair-Play-Tabelle führt Offenbach von hinten: 72 Gelbe, fünf Rote, drei Spiele mit Nachspielzeit wegen Meckerns. Die Kasse quält sich, das Image erodiert.

Saisonfinale mit blick auf freiberg – und verl
Am Samstag gastiert der OFC beim Spitzenreiter SGV Freiberg, der seit 14 Partien ungeschlagen ist. Eine Niederlage würde die Alzenauer wieder auf drei Punkte heranrücken lassen. Parallel spielt Saarbrücken beim SC Verl. Gewinnt der FCS, wächst der Polster auf zwölf Zähler – und Kickers dürften durchatmen, ohne sich bewegt zu haben.
„Wir müssen endlich unsere Hausaufgaben machen“, fordert Zimmermann. Er droht nicht, er fleht. Denn wenn der OFC selbst die Relegation nicht schafft, droht der Sprung in die Hessenliga – und damit das Ende der Semi-Profi-Struktur. Sponsoren könnten abspringen, die Lizenz kostet 350.000 Euro, die Lizenzstelle will Nachweise bis 1. Mai. Zeit wird knapp, genau wie die Geduld.
Kickers Offenbach spielt also gegen Freiberg – und ein zweites Mal in Verl. Die eigene Leistung ist Plan C, der Blick gen Norden der letzte Strohhalm. Die Devise: Erst Saarbrücken retten, dann sich selbst. Ein Doppelleben in 90 Minuten, ein Verein am Scheideweg. Am Ende zählt nur, wer den Abstieg verpasst – nicht, wer schön spielt.
