Odermatt: der «rennhund» dominiert – und lässt hirscher alt aussehen
Marco Odermatt hat es geschafft: Fünfter Gesamtweltcup-Triumph in Serie! Der Schweizer Skistar krönt seine bereits legendäre Karriere mit weiteren zwei Kristallkugeln in den Speed-Disziplinen. Ein Privileg für die Schweiz, einen Athleten wie ihn zu haben, der die Konkurrenz im Griff hat – und das mit einer scheinbaren Leichtigkeit, die wahre Größe ausmacht.

Ein trainer schwärmt: «ich könnte auch einen rauchfangkehrer aufstellen»
Wolfgang Grebien/GEPA/freshfocus liefert beeindruckende Bilder von Odermatts Triumph, aber die Worte seines Trainers, Helmut Krug, sind mindestens genauso aufschlussreich. „Marco ist einzigartig“, raunt er im Interview mit CH Media. „Einen Athleten wie ihn habe ich nie erlebt. Leider kann ich nicht in seinen Kopf schauen, das wäre spannend.“ Krug beschreibt Odermatt als einen Athleten mit „gottgegebenen“ Fähigkeiten, der zudem ein außergewöhnlicher Mensch sei. Er gehe mit seinen Kräften äußerst dosiert um, auch im medialen Trubel. Er sortiert, was ihm wichtig ist. Und das Beste: Der Druck, der frühere Stars wie Hirscher, Maier oder Zurbriggen zu zerreißen schien, scheint Odermatt kaum zu berühren. Er besitzt diese besondere Gabe, die ihn von anderen abhebt.
Was Krug besonders beeindruckt, ist Odermatts Fähigkeit, im Wettkampf noch einmal eine Schippe draufzulegen. „Es gibt einfach solche, die können in den Rennen noch einmal 10 bis 15 Prozent drauflegen“, erklärt der Trainer. „Und zu diesen Athleten gehört Marco unumstritten dazu. Er ist ein ‚Rennhund‘, der sich im entscheidenden Moment noch einmal steigert, wo andere bereits am Limit sind.“ Es sind diese Momente, die den Unterschied zwischen einem Trainingsweltmeister und einem Champion ausmachen – und Odermatt gehört zweifellos zu Letzteren.
Und da stellt sich die Frage: Was muss ein Trainer einem Athleten von Odermatts Klasse überhaupt noch beibringen? „Wenn einer an einem Punkt angelangt ist wie Marco Odermatt, kannst du auch einen Rauchfangkehrer als Trainer hinstellen“, scherzt Krug. Seine Aufgabe als Trainer sei es vielmehr, junge Talente wie Lenz Hächler an die Spitze zu führen oder verletzte Athleten wie Gino Caviezel wieder in Form zu bringen. Das seien die eigentlichen Herausforderungen. Um Odermatt bestmöglich zu unterstützen, bereitet sein Team stets „einen perfekten Trainingslauf“ vor – und das scheint zu funktionieren.
Doch könnte der Nidwaldner vielleicht doch noch etwas mehr Aufmerksamkeit von seinen Trainern wünschen? Krug winkt ab: „Wenn wir nur auf Marco setzen würden, würden alle anderen zerbrechen. Das ist das Allerletzte, was wir wollen. Und auch Marco will das nicht, er ist ein Teamplayer. Er will den Jungen helfen, es ist ihm wichtig, dass sie besser werden. Das macht das Team so stark.“
Die Faszination Marco Odermatt liegt nicht nur in seinen sportlichen Leistungen, sondern auch in seiner Fähigkeit, ein Team zu inspirieren und zu motivieren. Er ist mehr als nur ein Skifahrer – er ist ein Vorbild.
