Ocon bricht das schweigen: todesdrohungen nach crash mit colapinto

Esteban Ocon hat nach dem Crash mit Franco Colapinto in Shanghai erstmals öffentlich über die Welle aus Hass und Todesdrohungen gesprochen – und sich geschockt gezeigt. „Das war keine Kritik mehr, das war pure Gewalt“, sagt der Franzose im Fahrerlager von Suzuka.

Die Kollision in der ersten Runde des China-GP warf den Argentinier um sechs Plätze zurück und kostete ihm den Anschluss an die Punkte. Was danach auf Instagram, Twitter und in privaten Nachrichten folgte, lag jenseits jeder Sportlichkeit. „Ich habe Screenshots gesehen, in denen Leute schrieben, man solle mich an die Wand stellen. Für einen Rennunfall.“

Ocon zieht bilanz: „mein fehler, keine frage“

Der Alpine-Ex-Pilot nimmt die Schuld ohne Wenn und Aber auf sich. „Ich habe Franco noch am Sonntagabend angerufen. Kein Manager, kein Medienschwall – nur ich, er und zwei Fahrer, die wissen, wie schnell so ein Saison-Tag ins Auge gehen kann.“ Das Gespräch habe 45 Minuten gedauert, Colapinto habe am Ende gelacht – „aber nicht, weil es lustig wäre, sondern weil wir beide wissen: Das nächste Mal sind wir die, die jemanden in die Wand brettern. Nur ohne den Shitstorm.“

Die zehn Tage danach nutzte Ocon, um sich intern abzuschotten. „Ich habe keine Stories gepostet, keine Interviews gegeben. Ich wollte nicht, dass aus dem Crash eine PR-Show wird.“ Stattdessen habe er mit der FIA und mit seinem Anwalt gesprochen. Ergebnis: Ein Brief von Präsident Mohammed Ben Sulayem liegt ihm vor, in dem die Verbände-Chefs „null Toleranz für digitalen Terror“ ankündigen. „Die wollen IPs loggen, Accounts klären und Stadionverbote für Hassposter durchsetzen – so wie es in der Premier League bereits passiert.“

Die nächste stufe: strafen statt likes

Die nächste stufe: strafen statt likes

Ocon ist nicht der erste, der online bedroht wird, aber er will einer der letzten sein, der das stillschweigend hinnimmt. „Wenn wir als Fahrer jedes Mal den Kopf einziehen, wird daraus Normalität. Und das ist keine Fan-Leidenschaft, das ist Cyber-Mobbing mit Ansage.“

Der 27-Jährige fordert konkrete Schritte: „Erstens: Jede Plattform mauert mit. Zweitens: Die Teams müssen Anzeigen stellen, nicht nur Pressemitteilungen raushauen. Drittens: Wer online bedroht, darf offline nicht an die Strecke – Punkt.“

Beim Japan-GP am Sonntag will er mit einem kleinen Aufkleber auf dem Helm protestieren: „#NoHateOnTrack“ – ein Slogan, den er sich selbst ausgedacht hat. „Es reicht, dass wir uns auf der Strecke zerballern. Danach sind wir Menschen, keine Avatar-Zielscheibe.“

Die Formel 1 diskutiert derweil intern über ein eigenes Reporting-System für Fahrer. Erste Tests könnten schon in Imola laufen. Ocon lacht schulterzuckend: „Wenn es klappt, bin ich gerne Versuchskaninchen. Hauptsache, die Trolle landen im Abseits – nicht wir.“