Oberstdorf: machtspiele gefährden den traum von der wm
Die Vergabe der Nordischen Ski-WM 2031 an Oberstdorf ist geplatzt – ein Nackenschlag für den Allgäuer Skiort und ein deutlicher Schlag gegen den deutschen Wintersport. Georg Geiger, der Vorsitzende des SC Oberstdorf, spricht von einem „Spielball von Machtkämpfen“ und übt scharfe Kritik am FIS-Präsidenten Johan Eliasch.
Die fis-entscheidung: ein rätsel
Die Entscheidung, die am Mittwochabend in Belgrad hätte fallen sollen, verschob sich auf unbestimmte Zeit. Im Saal herrschte blankes Entsetzen, begleitet von vereinzelten Pfiffen. Nick Fellows, FIS-TV-Direktor, gab an, der Rat habe „noch keine endgültige Entscheidung“ treffen können. Ein Unentschieden gab es nicht, da in diesem Fall Eliaschs Stimme entscheidend gewesen wäre – ein Szenario, das die politische Brisanz der Situation unterstreicht.
Das Problem: Eliasch und seine Staatsbürgerschaften. Der schwedisch-britische Eliasch steht am Donnerstag zur Wiederwahl, und sein Manöver, die georgische Staatsbürgerschaft zu erwerben, um seine Position zu festigen, hat für massive Kritik gesorgt. Große Wintersportnationen, darunter auch Deutschland, wollen seine Wiederwahl verhindern. Es ist ein bezeichnendes Beispiel dafür, wie persönliche Ambitionen die Interessen des Sports untergraben können.

Der dsv schüttelt den kopf
Der Deutsche Skiverband (DSV) reagierte mit deutlicher Missbilligung auf die verpasste Chance. „Aus unserer Sicht waren die Voraussetzungen gegeben“, so eine Stellungnahme des DSV. „Es fällt schwer nachzuvollziehen, warum trotz überzeugender Konzepte und Planungssicherheit keine Klarheit geschaffen wurde.“ Der DSV fordert nun Transparenz: „Wenn andere Faktoren stärker gewichtet werden als die Qualität einer Bewerbung, dann sollte dies offen kommuniziert werden.“
Die Stimmung in Oberstdorf ist gedrückt, aber nicht hoffnungslos. Georg Geiger klammert sich an den Traum von der WM: „Die Entscheidung ist jetzt verschoben worden, aber wir werden die WM noch holen.“ Doch die Ereignisse in Belgrad zeigen deutlich: Die Vergabe ist längst nicht mehr allein eine Frage sportlicher Kriterien, sondern ein Spiegelbild von Machtkämpfen und persönlichen Interessen, die den deutschen Sport in ein prekäres Licht rücken. Die FIS muss handeln – und zwar schnell, bevor die Glaubwürdigkeit des gesamten Verbandes irreparabel beschädigt wird.
