Weltmeister-bonus: dfb lockt mit millionen, die noch nie geflossen sind

Kein Zentimeter wurde in Katar überwunden, aber die Rechnung für den fünften Stern steht schon. Jeder Spieler der deutschen Nationalmannschaft würde bei einem WM-Titel 2026 in Nordamerika eine Prämie kassieren, die alle bisherigen Rekorde sprengt. Andreas Rettig bestätigt lapidar: „Es fließt mehr als in Katar, weil deutlich mehr reinkommt.“ Die FIFA-Millionen sind da, die Frage ist nur, ob jemand sie abholt.

Der betrag, den niemand nennt

400.000 Euro pro Kopf hatte der DFB 2022 versprochen – und prompt in der Vorrunde verbrannt. 2014 waren es noch 300.000 für Mario Götze und Co., doch damals reichte es tatsächlich bis ins Finale in Rio. Jetzt, bei der ersten Drei-Länder-WM überhaupt, schwirrt im Hintergrund eine Summe durch die Kabine, die Jonathan Tah nur verschwörerisch anflunkert: „Wir sind kurz vor der Einigung, es läuft alles gut.“ Was heißt gut? Eine halbe Million pro Nase? Mehr? Schweigen im Walde.

Rettig reibt sich die Hände, weil die FIFA-Preisgelder in Dollar fließen und der DFB sich mit einem „Puffer“ absichert. Kein harter Kampf mit Kapitän Joshua Kimmich, nur der nüchterne Deal: Erfolg oder nichts. „Geht ihr früh raus, bleibt die Prämie gegen null. Holt ihr den Titel, gibt es hinten raus einen Schnaps mehr.“ Knapp, klar, bissig – so spricht jemand, der weiß, dass Geld nur fließt, wenn Bälle im Netz zappeln.

Historie der gaben: vom motorroller zum millionenregen

Historie der gaben: vom motorroller zum millionenregen

Die deutsche Fußballgeschichte liest sich wie ein Katalog steigender Begierden. 1954 gab’s für das „Wunder von Bern“ 200 D-Mark pro Spiel plus 1.000 Mark Prämie – und obendrauf einen Fernseher, einen Lederkoffer und einen Motorroller. Fritz Walter fuhr nach Hause, als hätte er einen Flohmarkt gewonnen. 1974 streikte Franz Beckenbauer für 70.000 Mark und einen VW-Käfer. 1990, als der „Kaiser“ bereits auf der Bank saß, löste er den Triumph in Rom mit 125.000 Mark pro Spieler ab. Heute wäre selbst ein Kleinwagen nur noch ein Scherz auf dem Instagram-Kanal der Profis.

Doch die Inflation der Wünsche folgt der Inflation der Einnahmen. Die FIFA schüttet für die WM 2026 rund 1,1 Milliarden Dollar an Preisgeldern aus, 400 Millionen mehr als 2022. Der Weltmeister kassiert allein 100 Millionen Dollar. Da klingt Rettigs „Schnaps mehr“ plötzlich wie Understatement.

Die stunde der wahrheit naht – und mit ihr die kasse

Die stunde der wahrheit naht – und mit ihr die kasse

Die Vorrunde in Kanada, Mexiko und den USA startet in wenigen Tagen. Julian Nagelsmann wird daran gemessen, ob er den Titel holt, prophezeit Jürgen Klinsmann. Die Mannschaft glaubt fest daran, so fest, dass sie die Prämie nicht mal verhandeln muss. Sie will sie verdienen.

Am Ende bleibt eine simple Rechnung: Elf Siege in 29 Tagen, und ein deutscher Spieler könnte sich 2027 einen Urlaub auf dem Mond leisten. Geht’s schon in der Gruppenphase schief, bleibt nur der Flug nach Hause – in der Economy. Die FIFA-Kasse klappt zu, der Traum zerplatzt, und die Rekordprämie verpufft in trockenen Zahlen. So schnell kann Sport sein: entweder Millionen oder nichts.