Nullneuner jagen den nächsten zweitligakader – reutelhuber fordert kaltschnäuzigkeit
Die SpVgg Ansbach hat den Aufwärmgag gegen Augsburg II hinter sich, jetzt kommt der Tabellenprimus. Am Samstag gastiert der 1. FC Nürnberg II im Xaver-Bertsch-Sportpark – und Christian Schneider verrät, warum dieses Spiel ein Gradmesser für den Rest der Saison ist.
Reutelhubers punktejagd beginnt mit selbstkritik
Niklas Reutelhuber spricht kein Blatt vor den Mund. Der jüngste Trainer der Regionalliga Bayern zog nach dem 0:0 gegen Augsburg II eine eindeutige Bilanz: „Zwei Punkte verschenkt, weil wir die Chancen nicht genutzt haben.“ Die Statistik gibt ihm recht: Zwei Lattentreffer, ein abgeblockter Kopfball von Ken Mata und insgesamt 17 Torschüsse – daraus muss ein Sieg resultieren. Stattdessen steht Ansbach weiter auf Rang zwölf, nur drei Zähler über der roten Linie. Die Reform der Regionalliga droht, die Abstiegszone könnte sich bis Platz 12 ziehen. Kein Spiel ist jetzt noch ein Freundschaftsspiel.
Der Coach hatte seine Mannschaft in der Winterpause auf „weniger Gegentore“ programmiert. Das klappte, doch die Offensive vergaß das Einfühlungsvermögen. Gegen Nürnberg II wird die Balance entscheiden. Der FCN-Reserve führt die Tabelle an, ohne aufstiegswillig zu sein – ein Luxus, den sich Ansbach nicht leisten kann. „Sie haben Punch, wir haben Druck“, sagt Reutelhuber und meint damit die Effizienz im letzten Drittel. Die Zahlen sprechen für ihn: Nürnberg II traf 46 Mal, Ansbach nur 24. Die Nullneuner laufen mehr, aber sie treffen zu selten.

Ken mata und die frage nach der durchschlagskraft
Ken Mata war gegen Augsburg II der auffälligste Akteur. Der 22-jährige Neuzugang aus Homburg lief 13,2 Kilometer, gewann 67 % seiner Duelle und leitete fast alle gefährlichen Aktionen ein. Doch selbst er konnte die mangelnde Killerinstinkt nicht kaschieren. „Er bringt die nötige Rasanz, aber wir müssen ihn besser in Szene setzen“, fordert Reutelhuber. Dino Nuhanovic und Luis Althaus, zuvor Joker, starteten ebenfalls und zeigten, dass die Pause einige überraschende Gewinner hervorbrachte. Gegen Nürnberg II wird sich zeigen, ob diese Frische reicht, um die Defensive des Spitzenreiters zu destabilisieren.
Die personelle Lage ist komfortabel. Kein Ausfall, keine Gelbsperre. Die Baustelle an der Gegengerade schränkt zwar die Kapazität ein, doch auf der Haupttribüne herrscht Ausverkauf. Die Fans wollen sehen, ob ihre Mannschaft den Befreiungsschlag schafft. Ein Sieg gegen Nürnberg II würde Ansbach nicht nur auf Platz neun katapultieren, sondern auch das Selbstvertrauen für die englischen Wochen zurückbringen. Reutelhuber schwört das Team auf die „90 Minuten Wahrheit“ ein. Der Trainer weiß: Verliert seine Elf, rückt der Abstiegskampf ins Zentrum. Gewinnt sie, ist die Saison wieder offen.
Die Uhr tickt. Die Reform der Regionalliga kommt, ob mit oder ohne Ansbach. Der Klub baut seine Infrastruktur aus, die „Nullneuner-Lounge“ soll im April öffnen, die neue Tribüne folgt. Doch schönere Kabinen nützen nichts, wenn die Punkte fehlen. Reutelhuber hat seine Mannschaft gewarnt: „Wir können nicht warten, bis das Stadion fertig ist.“ Am Samstag wird sich zeigen, ob Ansbach bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen – oder ob die Saison zum Endspiel wird. Die Antwort liegt auf dem Rasen, nicht in den Bauplänen.
