Nübel statt neuer: nagelsmann schickt sané auf die bank - ghana-test wird kimmich-revolution

Mitten im Stuttgarter Regen revoltiert Julian Nagelsmann. Der Bundestrater verbannt Leroy Sané auf die Bank, setzt Alexander Nübel zwischen die Pfosten und erklärt Kai Havertz zum Alleinunterhalter. Die Botschaft: Wer glaubt, den WM-Platz sicher zu haben, irrt.

Die aufstellung, die alles auf den kopf stellt

Nübel – Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Brown – Stiller, Groß – Gnabry, Woltemade, Wirtz – Havertz. Kein Neuer, kein Musiala, kein Sané. Dafür ein VfB-Torhüter, der seit Monaten auf seine Chance wartet, und ein Frankfurter Linksverteidiger, der gestern noch mit der U21 trainierte. Nagelsmann nennt es „notwendige Impulse“, die Mannschaft nennt es Kampfansage.

Die Begründung kommt ohne Blatt vor den Mund: „Wir müssen sehen, wer Druck verträgt“, sagt der 38-Jährige. Druck meint: 80.000 in der Arena, Kameras auf jedem Gesicht, die Frage nach dem 26. WM-Kader, der am 12. Mai feststeht. Sané, einst Hoffnungsträger, darf zusehen. Gnabry rückt ins Zentrum, Wirtz soll auf Links den Zauberer geben.

Die crunchtime beginnt jetzt

Die crunchtime beginnt jetzt

Nagelsmann spricht von der „Crunchtime“ – jener Moment, wenn Muskeln brennen und Knochen knacken. Drei Wochen vor der Endabnahme will er wissen, wer noch einmal zulegt. Angelo Stiller bekommt seine letzte Bühne, bevor der Zug Richtung Katar abfährt. Pascal Groß ersetzt Goretzka, der nach der Oberschenkelzerrung nur noch mit der Uhr kämpft.

Die Ghanaer gelten als Test ideale: körperlich, schnell, unbequem. Genau das, was in Gruppe E auf Deutschland wartet. „Wir wollen sehen, wie wir uns gegen Athletik verhalten“, sagt Nagelsmann. Klingt nach Schulhof, meint aber: Wer heute nicht gegen Ayew und Co. besteht, fliegt im Juni raus.

Deniz Undav sitzt wieder nur am Rande. Der VfB-Torjäger hätte das Stadion zum Kochen gebracht, doch Nagelsmann verspricht nur „Minuten“. Die Minuten, die zwischen Traum und Albtraum liegen. Für Nübel sind es die ersten im DFB-Trikot seit 1.000 Tagen. „Ich will mich zeigen“, sagt er. Zeigen heißt: Keinen Patzer, keine Hemmung, keine zweite Chance.

Am Ende zählt nur eins: Wer heute glänzt, packt den Koffer. Wer zittert, packt die Koffer. Die WM-Uhr tickt. Sané kann ein Lied davon singen.