Noviglio ehrt mabel bocchi: legenden trauern und feiern zugleich
Im Sport Center von Noviglio stand am Wochenende nicht der aktuelle Tabellenplatz der Milano Basket Stars im Mittelpunkt, sondern eine Frau, die italienischen Basket nie verlassen hat: Mabel Bocchi. 72 Jahre alt wurde sie, am 4. Dezember starb sie. Jetzt, zum Frauentag, holten ihre Weggefährtinnen sie aufs Parkett zurück – und ließen das Hallendach förmlich aus Emotionen beben.
Rosi Bozzolo, Bianca Rossi, Dora Ciaccia – sie alle trugen Rot-Weiß-Grün durch die Europapokale der späten Siebziger. 1978 holten sie mit Geas Sesto San Giovanni den Pokal der Pokale, damals schon spielten sie nicht nur gegen Gegnerinnen, sondern gegen ein ganzes System, das Frauen im Sport kaum Platz bot. Bozzolo, heute 66, betrat die Halle als Erste. Kein Schritt wirkte schwerer als dieser. „Wir haben Geschichte geschrieben, aber Mabel hat sie erzählt“, sagte sie, und die 200 Gäste schwiegen, als habe jemand den Schiedsrichterpfiff verschluckt.
Dan peterson erinnert sich: „sie war unsere stimme im fernsehen“
Dan Peterson, der Amerikaner, der Olimpia Mailand zur Dynastie formte, stand neben der alten Videowand, auf der nochmal die Blicke der jungen Bocchi zu sehen waren: Model, Verteidigerin, Moderatorin. „Nach jedem Sieg hat sie uns interviewt, aber nie nach Niederlagen gefragt, warum wir denn so schlecht waren. Sie wollte wissen, wie wir wieder aufstehen“, sagte Peterson. Die Jüngeren in der Halle – Spielerinnen der aktuellen A2-Mannschaft – kannten Bocchi nur von YouTube. Jetzt hielten sie sich gegenseitig die Hand, als könnten sie die Bilder fangen.
Renzo Bariviera, 74, ehemaliger Nationaltrainer, schüttelte den Kopf, als die Videoband zu Valerie Still wechselte. Die US-Amerikanerin kam 1983 nach Italien, übernahm Bocchis Kappe als Star und als Gesicht der Serie A. „Mabel war die Brücke. Ohne sie hätten viele von uns das Land nie verstanden“, sagte Still per Videobotschaft. Die Hallenbeleuchtung wurde gedimmt, ein Spot irrlichterte über die Trikots, die wie Fahnen von der Decke baumelten.

Die stars von heute laufen vor den legenden auf
Regisseur Enrico Crespi, im Verein nur „Mr. GBC“ genannt, hatte die Spielerinnen der Milano Basket Stars auf einen Laufsteg verfrachtet. Jede trat einzeln vor Bozzolo, vor Claudia Giordani, vor Michela Ceschia – und bekam ein Stoffband umgelegt, auf dem „MB“ gestickt war. Kein Sponsorenlogo, nur diese Initialen. „Wir haben keine Trophäe verliehen, wir haben eine Fackel weitergegeben“, sagte Crespi hinterher.
Die Veranstaltung endete ohne Siegerehrung, dafür mit einer Zahl: 1.247. So viele Artikel hat Bocchi in 25 Jahren als Journalistin über Frauensport verfasst. Die Redaktion der Gazzetta dello Sport spendierte ein Sonderheft, das an diesem Montag erscheint. Die erste Auflage ist schon vergriffen – vor allem von Frauen gekauft, die nie einen Korb getroffen haben, aber wissen, dass es manchmal reicht, einfach nur dazuzugehören.
