Noventa schreibt geschichte: erster meistertitel der damen löst jubelsturm aus

In Feltre krachte es. Kein Donner, sondern das Klatschen von Bocce-Kugeln. Mit dem 14:10 gegen Borgonese schrieben die Noventa-Damen Geschichte – und der Klub aus der Veneto-Provinz besitzt plötzlich einen Stern auf der Brust. Der erste Scudetto überhaupt. Fünf Jahre nach dem Aufbau mit Teenagern, die damals kaum die Schulbank verlassen hatten.

Francesco scapolan: „der pokal tilgt die letzte saison-narbe“

Trainer Francesco Scapolan ballt die Faust, als wolle er die verlorene Final-Four-Schlappe 2024 aus Biella aus dem Gedächtnis boxen. „Die Niederlage saß noch fest“, sagt er, „heute haben wir den Fremdkörper ausgespuckt.“ Das 6:2 im mittleren Durchgang habe die Partie gekippt, analysiert er nüchtern. „Danach war klar: Die Kugeln liegen für uns.“

Präsident Paolo Stanello ließ in der Vorbereitung keinen Cent liegen – neue Trainingsgeräte, Psychologin, Videoanalyst. „Er hat die Infrastruktur einer Top-Mannschaft geschaffen, bevor wir eine waren“, so Scapolan. Die Spielerinnen bedanken sich mit einem riesigen Spannungsbogen: 16 Siege in 18 Serie-A-Partien, Platz eins nach der Hauptrunde, dann der Finals-Kracher.

Valentina basei: „vom aschenputtel zum champion – mit muskeln statt zauberstab“

Valentina basei: „vom aschenputtel zum champion – mit muskeln statt zauberstab“

Valentina Basei, 33, Routinierin und Kapitän, lacht über das Märchen-Szenario. „Nur dass wir uns den Glasschuh selbst angefertigt haben – aus Bronze und Ehrgeiz.“ Die Final-Four-Regel „alles oder nichts“ kannte sie als Risiko: „Tabelle weg, Ranking weg – nur noch Nerven.“ Ihre jüngsten Teamkolleginnen lieferten trotzdem die entscheidenden Punkte im Endspiel.

Der nächste Flug geht nach Frankreich. Die Europapokal-Teilnahme im September bedeutet zwölf Tage Wettkampf gegen Teams aus Kroatien, Spanien und Frankreich – Kontrahenten, gegen die Noventa bisher nur YouTube-Videos kennt. „Unbekannt macht nicht unbesiegbar“, wirft Scapolan ein. Er plant bereits ein Mini-Lager in den Alpen: Höhe statt Hitze, um die Wurfpräzision bei dünnem Luftdruck zu schärfen.

Die Anfeuerung kommt aus der eigenen Halle: Männermannschaft trommelte mit Trompeten, selbstgebatikten Fahnen und einer Choreografie, die an Basketball-Ultras erinnert. „Die Jungs haben uns Adrenalin statt Erschöpfung beschert“, sagt Basei. In Noventa selbst kursiert bereits ein Gerücht: Der Bürgermeister erwägt eine offizielle Empfangstermin – mit offenem Bus durch die 3 000-Seelen-Gemeinde.

Die Spielerinnen wollen erst mal abschalten. Aber nur kurz. Am 1. August rollen wieder die Kugeln. Denn Scapolan weiß: „Ein Stern glänzt, der nächste will eingeschlagen werden.“ Die Geschichte ist jung – und sie schreibt weiter.