Noval zertrümmert das feld – doppelsieg bei spaniens junioren-meisterschaft

79 Kilometer vor dem Ziel schlägt Benjamín Noval das erste Mal ein. Das Rennen bricht entzwei, das pechschwarze Trikot des künftigen NetCompany-INEOS-Fahrers wird zur Zielscheibe. Am Ende trägt er nicht nur die goldene Medaille nach Hause, sondern auch die Erkenntnis: Dieser 18-Jährige versteht seine Kunst als Ein-Mann-Show.

Ein angriff jagt den nächsten

Die Fluchtgruppe liegt 1:10 voraus, als Noval aus dem Hinterhalt sticht. Neun Fahrer schließen sich an, das Tempo explodiert. 74 Kilometer vor dem Ziel leiert das Feld kurz durch, die Spitze wieder auf knapp zwei Minuten. Noval duldet kein Warten. Er zündet die zweite Stufe, stößt José Vega und Hugo Muñoz voran, bis nur noch Darío Gimeno vorn überlebt.

48 Kilometer fehlen, als Noval den Rest erledigt. Er jagt Gimeno ein, sieht ihn an, lässt ihn los. Was nun kommt, ist kein Kalkül mehr, sondern reine Willensäußerung. 31 Kilometer vor dem Ziel blitzt der finale Seitenwind-Angriff. Gimeno verharrt, Noval fliegt. Danach ist nur noch Asphalt und die Gewissheit, dass jede Sekunde jetzt zählt.

Zwei tage, zwei titel, null zweifel

Zwei tage, zwei titel, null zweifel

Vergangenen Donnerstag hatte Noval schon die Zeitfahrt dominiert. Die Straßenmeisterschaft aber gilt als Prüfstein für echte Klasse. Dort, wo andere auf die letzten 200 Meter schielen, beginnt er seine Show mit 79 Kilometern Restdistanz. Die Zahlen lesen sich wie eine Absage an das Feld: 1:02 Vorsprung nach dem letzten Verfolger, 38 Sekunden Vorsprung auf Gimeno, am Ende 1:14 auf den ersten Verfolger. Kein Gegner kommt auch nur in Sichtweite.

Die Uhr tickt, die Kameras fiebern, doch Noval sieht nur die weiße Mittellinie. Als er die Zielgerade betritt, reißt er die Arme hoch – nicht als Geste, sondern als Versprechen. Die Königsetappe des spanischen Nachwuchsradsports gehört ihm. Und damit auch die Zukunft.

Am Horizont blinkt schon das INEOS-Teambus-Schild. Die Profis warten, die Bühne ist vorbereitet. Noval packt die Doppelsieger-Medaillen ein, schultert seinen Rucksack und verschwindet in Richtung Siegerehrung. Hinter ihm bleibt ein zerzaustes Feld und die Gewissheit: Wer so früh angreift, wird auch früh ankommen.