Nina meinke krönt comeback mit doppel-triumph in hamburg
Zwölf Runden, ein blutendes Nasenbein, ein Bandscheibenvorfall und nun zwei Gürtel: Nina Meinke ist zurück – und wie. Die 33-jährige Berlinerin boxte sich in der Hamburger Fischauktionshalle durch die Dominikanerin Dyana Vargas und schrieb damit die Geschichte der leichtesten Gewichtsklasse neu.
Die dritte runde brachte die wende
Die Fischauktionshalle roch nach Salz und Schweiß. 2.800 Zuschler, eine Mehrheit hinter Meinke, schrie sich heiser. Doch die ersten sechs Minuten gehörten Vargas – flinke Füße, harte Jab. Dann die Blutung. Ein Aufwärtshaken riss die Nasenscheidewand auf, plötzlich war die Ringmatte ein rotes Tuch. Meinke roch die Chance, steigerte die Schlagfrequenz von 42 auf 67 Treffer pro Runde. Vargas schlug zurück, landete in Runde neun einen Kreuzhaken, der Meinkes Schutzbrille flog. Die Zuschler zitterten mit, doch die Punktrichter hatten nie mehr als zwei Runden an die Karibik exportiert: 117:111, 118:110, 116:112.
Der IBF-Gürtel blieb, der IBO-Gürtel kam dazu – ein Doppel, das es in diesem Gewicht seit 2017 nicht gab. Meinke fiel in die Arme von Coach Michael Timm, der sie vor 18 Monaten noch aus dem Krankenbett holte. „Die Bandscheibe war ein Schnitt, nicht ein Punkt“, sagt Timm. „Aber Nina hat jeden Tag 600 Liegestütze gemacht, im Gips.“

Ein jahr pause, null zweifel
Nach dem Sieg gegen Sarah Chauvin im Mai 2025 folgerte die Diagnose: Bandscheibenvorfall L5-S1. Operation, drei Monataufenthaltsverbot, ungewiss ob Comeback. Meinke baute ein Mini-Gym im Keller, lernte Spanisch, um Vargas’ Interviews zu verstehen, und studierte deren Kampfvideos in 0,25-facher Geschwindigkeit. „Ich wollte nicht nur wiederkommen, ich wollte dominieren“, sagt sie, während ihr Physio die blaue Eisbeutel ums Knie wickelt.
Der Sieg bringt 400.000 Euro Kampfbonus und die Pflicht, innerhalb von 90 Tagen gegen Pflichtherausforderin Erika Cruz anzutreten. Promoter ECB Boxing zieht bereits eine Arena in der Mercedes-Benz-Arena ins Visier – 14.000 Plätze, 21. August 2026. Karten sind noch nicht im Vorverkauf, doch die Warteliste ist länger als der Kiez an einem Derby-Tag.
Für Meinke bleibt nur ein Tag zum Durchschnaufen. Am Montag fliegt sie ins Trainingslager nach Big Bear, wo ein neuer Sparringpartner wartet: ein Mexikaner, der angeblich schneller ist als Vargas und linkshänderisch. „Ich habe zwei Gürtel, aber ich will drei“, sagt sie und lacht – zum ersten Mal an diesem Abend ohne Schmerztabletten.
