Niklas steffen stürmt ins nati-findos: der mann, den yakin heimlich scoutet
Der Thuner Schlussmann hielt sich bisher im Schatten, doch seit drei Wochen ist er der heimliche Star der Super League. Torhütertrainer Patrick Foletti sitzt jetzt in der Tribune, und das ist kein Zufall.
Warum der neue nati-testlauf in thun stattfindet
Gregor Kobel und Yvon Mvogo haben die Plätze eins und zwei fest gebucht, aber die Nummer drei? Die ist offen wie ein Parkhaus um drei Uhr nachts. Murat Yakin sucht einen dritten Keeper, der nicht nur die Wasserflaschen hält, sondern auch mal reingehen kann, wenn die WM-Quali plötzlich eng wird. Niklas Steffen ist 25, kommt aus der Challenge League und hat in seinen ersten sieben Spielen für FC Thun schon zweimal den Man of the Match-Award eingesackt. Das ist keine Statistik, das ist ein Statement.
Claudio De Capitani, Sportchef bei Thun, lacht nur, wenn man ihn nach dem Geheimnis fragt: „Er war nie unsere Nummer eins auf dem Papier, aber er ist es auf dem Rasen geworden.“ Die Zahlen sprechen für sich: 0,71 Gegentore pro Partie, 82 % gehaltene Torschüsse, und eine Reflexzeit, die laut In-Stat-Analyse bei 0,42 Sekunden liegt – schneller als der Liga-Schnitt.

Was foletti in steffen sieht – und was kobel nicht hat
Patrick Foletti mag keine Showkeeper. Er mag Typen, die in der 87. Minute noch die Hand ausstrecken, wenn der Innenverteidiger den Ball verstolpert. Steffen macht genau das. Gegen Basel rettete er mit den Fingerspitzen, gegen Luzern mit der Wade. Die Nati-Cracks nennen ihn schon „Zombie“, weil er zurückkommt, selbst wenn man glaubt, er sei gefallen.
Die SFV-Scouts haben intern ein Codewort für ihn: Projekt 12. Zwölf Länderspiele in zwei Jahren, das wäre das Minimalziel, um ihn für ein Turnier zu rüsten. Die Konkurrenz schläft nicht. Jonas Omlin will zurück, Marwin Hitz wartet. Aber sie sind 30-plus, Steffen ist 25 und billig: sein Vertrag läuft noch bis 2026, die Ablöse wäre ein Schnäppchen.
Donnerstag trainiert Thun in Bern, Foletti sitzt wieder in Reihe 14. Er trägt kein Switzerland-Sweatshirt, nur ein schwarzes Notizbuch. Darin steht: „Sprungkraft gut, Spielaufbau ausbaufähig, aber: keine Fehler in der Build-up-Phase seit Woche 4.“ Das ist die Art von Verheißung, die Nati-Trainer lieben.
Die Entscheidung fällt im März, wenn die nächste Kader-Liste kommt. Steffen weiß, dass er nur eine Halbzeit lang Zeit hat. Aber er hat schon einmal in der Challenge League gespielt, ohne dass jemand seinen Namen kannte. Jetzt schreit ihn ganze Bern. Wenn er gegen St. Gallen wieder null kassiert, bucht Foletti den nächsten Zug nach Thun – und diesmal sitzt er nicht mehr versteckt.
